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Vorbild VfB: Der HSV muss um seine Fans kämpfen

Der Autor ist Sportchef beim Abendblatt

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Foto: Andreas Laible / HA

Bei einem Gang in die Zweite Liga muss im Anhang neue Begeisterung entfacht werden. Stauttgart könnte als Beispiel dienen.

Als der VfB Stuttgart in der Saison 2016/17 das durchlebte, was dem HSV jetzt bevorsteht, strömten 862.197 Zuschauer zu den 17 Zweitligaheimspielen der Schwaben in die Mercedes-Benz Arena, 50.717 im Schnitt. Am Ende kehrte der VfB – auch dank der großartigen Unterstützung seiner Anhänger – als Meister ins Oberhaus zurück. Dass die Stuttgarter gerade einmal drei Zähler mehr auf dem Konto hatten als der Tabellendritte Braunschweig (scheiterte in der Relegation an Wolfsburg), verdeutlicht, dass jeder Faktor ausschlaggebend für Erfolg oder Scheitern sein kann.

Wie viele Zuschauer werden wohl an einem lausig kalten Sonntagmittag Ende November ins Volksparkstadion pilgern, wenn der HSV gegen weniger attraktive Clubs wie Sandhausen, Heidenheim, Aue oder Fürth antreten muss? Angesichts des zuletzt massiven Zuschauerrückgangs in der Bundesliga und dem Fernbleiben von vielen Dauerkartenkunden ist zu befürchten, dass sich eine Klasse tiefer noch viel mehr Fans abwenden werden, anstatt mit einer „Jetzt-erst-recht“-Haltung neue Kraft und Hoffnung zu schöpfen. In solch einer Gemengelage bewegen sich auch Sponsoren nicht gerne. Eine Negativspirale.

In den verbleibenden neun von dann 1866 Bundesligaspielen seit 1963 geht es für den HSV deshalb nicht nur um Punkte. Es geht darum, sich ehrenvoll aus der Ersten Liga zu verabschieden und selbst dann die Spiele nicht abzuschenken, wenn die Rettung auch rechnerisch nicht mehr möglich ist. Danach heißt es, sich klug und maßvoll neu aufzustellen für den Wiederaufstieg. Dann kann es gelingen, neue Begeisterung auf den Rängen zu entfachen.