Meinung
Schumachers Woche

Die einsamsten Menschen der Welt sind Ex-Minister

Wie schwer es ist, plötzlich auf der Regierungsbank keinen Platz mehr zu haben.

Der Mann mit dem markanten Bürstenhaar setzte sich unbeachtet in die zweite Reihe. Keine Leibwächter, keine Schranzen mit Mappen, die ihn umschwirrten, nicht mal die gestrenge Medienfrau. Eine typische Berliner Abendveranstaltung, und alle wissen, dass dieser Mann in der heraufziehenden Ära Spahn nicht mehr wichtig sein wird. Aus dem sehr verehrten Herrn Gesundheitsminister ist der Abgeordnete Hermann Gröhe geworden. Einfach ausgemustert, nicht wegen mangelnder Qualifikation, sondern weil er nicht in die Machtarchitektur passt.

Gröhe diente Angela Merkel neun Jahre, auch als CDU-General, als der Posten noch nicht Parkplatz für Reservechefinnen war. Dann rief die Kanzlerin an: Schluss mit Minister; keine Milliarden mehr übers Land streuen, keine Stäbe kommandieren, keine Limousine, nur noch banges Brüten im schmalen Abgeordnetenbüro. Die guten Jobs in der Fraktion sind vergeben.

Künftige Ex-Minister sind die einsamsten Menschen der Welt. Keine Millionenverträge für die Memoiren, höchstens zweifelhafte Angebote aus der Lobbyistenhölle. Bekanntenkreis und Einladungsstapel schrumpfen um die Wette. Adieu erste Reihe. Rita Süssmuth nahm Fahrstunden, weil sie nach all den Jahren im Dienstwagen das Fahren verlernt hatte. Sigmar Gabriel hat dem drohenden Bedeutungsverlust mit allerlei Tricks zu entkommen versucht. Dem vermeintlichen Preußen Thomas de Maizière setzte der kalte Entzug derart zu, dass er wenig preußisch schluchzte und gänzlich unpreußisch, wenn auch zu Recht, die Qualifikation seines mutmaßlichen Nachfolgers Seehofer anzweifelte. Man kann viel Gehässiges über Politiker sagen, aber so einen abrupten Karriereknick kennen nicht mal Diesel-Manager.