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Kommentar

Transfers: Kein Retter für den HSV?

Der Autor ist Sportchef beim Abendblatt

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Foto: Andreas Laible / HA

Auch ohne einen neuen Spieler ist der aktuelle Kader stark genug, um den Klassenerhalt zu erreichen.

Das Ende der Winter-Transferperiode am Mittwoch sorgte bei etlichen HSV-Fans für Frust: Während die Bundesliga-Konkurrenz zum Teil kräftig aufgerüstet hat, verzichteten die Hamburger anders als früher darauf, neue Retter zu verpflichten. Die sich aufdrängende These: Wenn der HSV mit dem bestehenden (alles andere als ausgewogen bestückten) Kader nur Platz 17 schafft, wie soll er dann bei vier Punkten Rückstand auf Rang 15 in der Lage sein, den Klassenerhalt zu schaffen?

Der Clubführung an dieser Stelle eine ins Verderben führende Untätigkeit vorzuwerfen wäre jedoch falsch. Es war längst an der Zeit, einen Negativkreislauf zu durchbrechen, der verkürzt formuliert so aussah: einen Spieler teuer verpflichten (vorzugsweise mithilfe eines Investors), ihn in Hamburg schlechter werden lassen, die Geduld schnell verlieren, einen Nachfolger verpflichten und den im Formtief befindlichen HSV-Profi ablösefrei verschenken, wahlweise mit Abfindung.

Ist Bobby Wood nicht einen Versuch wert?

Der Fall Walace könnte beispielhaft dafür sein, dass es auch andere Lösungen gibt: vorhandene Ressourcen erst auszuschöpfen, bevor man neue sucht. Wäre der HSV bei „Wünsch dir was“, käme man auf die Idee, dem Club einen offensiven Spieler zur Verfügung zu stellen und einen Innenverteidiger, der den Ball unfallfrei 30 Meter nach vorne befördern kann.

Ist es aber nicht auch einen Versuch wert, sich noch intensiver mit Bobby Wood zu beschäftigen, von dem man so überzeugt war, dass man ihn mit einem neuen Millionenvertrag ausstattete? Der Kader ist auch so stark genug, die Klasse zu halten.

Womöglich eine Saison nicht mit zehn Millionen Euro Minus zu beenden spräche auch für ein Umdenken. Immer nur Herrn Kühne anzupumpen ist keine Strategie. Sondern die, vorhandene Mittel endlich sinnvoller einzusetzen.