HSV-News

Trotz Zwei-Millionen-Gebots: HSV gibt Waldschmidt nicht frei

Würzburg lenkt im Hollerbach-Streit ein. Wettstein liefert sich Rededuell mit Rettig. Todt bestätigt Gespräche mit Arp. Sorgen um Jung.

Rettig und Wettstein liefern sich Wortgefecht

HSV-Finanzvorstand Frank Wettstein und Geschäftsführer Andreas Rettig vom Stadtrivalen FC St. Pauli haben sich auf der Bühne des Sportbranchenkongresses SpoBis in Düsseldorf ein sehr unterhaltsames Streitgespräch geliefert. „Sie sagen, Ihnen sei egal, woher das Geld kommt. Mir ist das nicht egal. Bei Ihnen weiß man, dass es von einem ehrenwerten Kaufmann kommt. Aber wir haben nicht einen Kühne, wir haben 25.000 Kühnes, nämlich unsere Fans“, sagte Rettig am Mittwoch.

Geld, das der HSV bekomme, müsse er erst einmal dazu verwenden, Verbindlichkeiten abzubauen, stichelte Rettig. „Das funktioniert aber noch“, entgegnete Wettstein. Worauf Rettig antwortete: „Ja, noch.“ Auch die sportliche Situation des wieder einmal abstiegsbedrohten HSV nutzte der Geschäftsführer des Zweitligisten zu einem Seitenhieb: „Wir kommen gerne demnächst zu einem Spiel ins Volksparkstadion. Vielleicht wird es ja ein Pflichtspiel.“

Allgemein sprach sich Rettig in der Diskussion erneut gegen die Abschaffung der 50+1-Regel aus. „Wenn man ungebremst Kapital hinzufügt, fehlt mir die Fantasie, dass wir kontrollieren können, woher es kommt“, sagte der frühere Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga: „Das ist eine Lawine, die auf uns zukommt.“ Auch hier war Wettstein anderer Meinung: „Das hat nichts mit 50+1 zu tun. Wenn Sie 49 Prozent abgeben, kann das Geld auch aus der Prostitution kommen.“

Werder holt früheren HSVer Langkamp

Einst wurde Sebastian Langkamp beim HSV zum Profi befördert. Doch zum Einsatz kam der Innenverteidiger damals nur in der zweiten Mannschaft. Nach nur einem halben Jahr wechselte er vor genau zehn Jahren zum Karlsruher SC, bei dem er ein gutes Jahr später dann auch sein erstes Bundesligaspiel machen sollte. Über Augsburg ging es 2013 weiter zu Hertha BSC. Doch in den vergangenen Wochen saß Langkamp (30) bei den Berlinern nur auf der Bank.

Am Mittwoch fehlte er dann im Training – wegen eines privaten Termins, wie es hieß. Tatsächlich war es ein beruflicher Termin: Langkamp befand sich nach "Bild"-Informationen auf dem Weg nach Bremen, um sich dort dem Medizincheck zu unterziehen und anschließend bei Werder einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Nach der Freistellung von Lamine Sané aus disziplinarischen Gründen hatte Werder in der Defensive noch akuten Handlungsbedarf. Sané hatte kurz vor Schließung des Transferfensters noch keinen neuen Verein gefunden.

Der Rücken – Sorgen um Gideon Jung

Das HSV-Training am Mittwochnachmittag hatte kaum begonnen, da war es für Gideon Jung auch schon beendet. Der U-21-Europameister hielt sich nach einem unglücklichen Aufprall den Oberschenkel, humpelte vom Spielfeld und wurde wurde schließlich von einem Golfcart abtransportiert. Die erste Diagnose ergab Rückenschmerzen. Ob er am Donnerstag wieder trainieren kann, ist noch ungewiss. Der HSV teilte am Abend mit, dass man es weiter beobachten werde. Neue Erkenntnisse gebe es nicht.

Ein Ausfall Jungs wäre eine Schwächung im Kampf um den Klassenerhalt. Der defensive Mittelfeldspieler gehört beim HSV in dieser Saison zum Stammpersonal und stand auch beim Debüt des neuen Trainers Bernd Hollerbach am Sonnabend in Leipzig über die vollen 90 Minuten auf dem Feld.

Immerhin: Albin Ekdal könnte gerade rechtzeitig fit werden, um im kleinen Nordderby gegen Hannover 96 am Sonntag (18 Uhr, Volksparkstadion/Sky, Liveticker auf Abendblatt.de) Jungs Platz einzunehmen. Der Schwede hat aufgrund einer Innenbandverletzung in diesem Jahr noch kein Spiel bestreiten können. Am Mittwoch konnte er erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren.

Auch Fiete Arp und Sven Schipplock meldeten sich zurück. Die beiden Torjäger hatten am Dienstag wegen einer Erkältung noch im Mannschaftstraining gefehlt. Weiterhin nur individuell arbeiten kann Sejad Salihovic.

Todt bestätigt Gespräche mit Arp

Der HSV ist mit Ausnahmetalent Fiete Arp in konkrete Verhandlungen über eine Verlängerung seines 2019 auslaufenden Vertrages eingetreten. Das hat Sportdirektor Jens Todt dem Abendblatt bestätigt. An den Gesprächen waren neben dem 18-jährigen Stürmer auch sein Vater Falko und Arps Berater Jürgen Milewski beteiligt.

Nicht bestätigen wollte Todt dagegen die kolportierten Summen, die der HSV für einen Verbleib bis 2023 angeboten haben soll. Die "Sport-Bild" hatte berichtet, dass Arp eine Vervierfachung seines Gehalts von 500.000 auf zwei Millionen Euro jährlich in Aussicht gestellt worden sei (s. unten). Dies sei Spekulation und gehe deutlich an der Realität vorbei, sagte Todt.

Kein Transfer im Winter

Zugleich bestätigte der Sportchef, dass es beim HSV auch auf den letzten Drücker keine Wintertransfers geben werde. Die Wechselfrist in der Bundesliga endet an diesem Mittwoch um 18 Uhr. Zwar habe man über Verstärkungen nachgedacht. Allerdings seien die gewünschten Transfers "wirtschaftlich nicht umsetzbar" gewesen.

Laut "Sky Sports" hatten die Hamburger zuletzt Interesse an Aleksandr Mitrovic von Newcastle United. Der 23-Jährige habe jedoch abgesagt.

Todt gab sich aber zuversichtlich, dass der HSV mit dem aktuellen Kader stark genug besetzt sei, um die Klasse zu halten.

Hollerbach-Vertragsposse: Würzburg lenkt ein

Die Vertragsposse um Trainer Bernd Hollerbach zwischen dem HSV und den Würzburger Kickers ist beendet. Der fränkische Drittligist hat am Mittwoch trotz großer Verärgerung das "Entschädigungsangebot" des Bundesliga-Dinos angenommen und damit nach eigenen Angaben die formale Voraussetzung für Hollerbachs Engagement in Hamburg frei gemacht.

"Objektiv muss man leider festhalten, dass der Umfang des Angebots dem Wert und den Qualitäten von Bernd sowie der Wichtigkeit seiner Verpflichtung in der aktuellen HSV-Situation nicht annähernd gerecht wird", sagte der Kickers-Vorstandsvorsitzende Daniel Sauer: "Wir nehmen es aber einzig und allein aufgrund der Freundschaft zu Bernd an." Die Würzburger hätten den Verantwortlichen des HSV um Vorstandschef Heribert Bruchhagen "aber noch einmal mitgeteilt, dass man über die Versäumnisse eines korrekten Vorgehens, einer zeitnahen klaren Vereinbarung und nicht zuletzt über die mit dem Angebot selbst zum Ausdruck gebrachte geringe Wertschätzung absolut kein Verständnis habe", wie der Club in einer Mitteilung schrieb.

Geld soll zur Hälfte an Projekte auf St. Pauli gehen

Die Kickers betonten erneut, sich "juristisch und moralisch im Recht" zu fühlen, aber Hollerbach schützen zu wollen. Dieser hatte Würzburg 2016 in die 2. Bundesliga geführt. Im Folgejahr war der Club in die 3. Liga abgestiegen, daraufhin hatte Hollerbach seinen Rücktritt erklärt. Der HSV hatte den 48-Jährigen am 22. Januar als Nachfolger von Markus Gisdol vorgestellt – zu diesem Zeitpunkt hatte Hollerbach jedoch noch einen Beratervertrag bei den Kickers.

Das HSV-Geld wollen die Kickers nicht behalten. Es soll an bedürftige Kinder und Jugendliche gespendet werden. Eine Hälfte soll dabei auch sozialen Einrichtungen in Hamburg zugute kommen – pikanterweise im Stadtteil des Erzrivalen St. Pauli.

HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte sich mit Würzburgs Aufsichtsratsvorsitzendem Thorsten Fischer darauf verständigt, für die kommenden beiden Jahre jeweils ein Ablösespiel im Falle des Klassenerhalts zu bestreiten. Sollte es nicht zur Austragung der Testspiele kommen, verpflichteten sich die Hamburger zu einer Ablösezahlung von 100.000 Euro. Dies hatte die Vereinsführung der Kickers zunächst nicht akzeptiert und dem HSV ein Ultimatum gestellt.

Bruchhagen würdigt Aubameyang

Der HSV-Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat den Wechsel von Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund zum FC Arsenal als Riesenverlust bezeichnet. „Der Torjäger-Zweikampf zwischen Robert Lewandowski und Aubameyang war ein Markenartikel der Bundesliga. Deswegen tut uns das weh“, sagte Bruchhagen auf dem Sportbranchenkongress SpoBis in Düsseldorf. Aufgrund der Umstände habe er aber Verständnis für den Schritt des BVB.

Bei Abstieg soll Arp den HSV sanieren

Fiete Arp entwickelt sich beim HSV zur Lebensversicherung – so oder so. Im besten Fall rettet der 18-Jährige den HSV mit seinen Toren vor dem Abstieg. Sollte dieser schlimmste Fall dennoch eintreten, dann, so ist offenbar der Plan, könnte Arp den Club wenigstens vor dem Allerschlimmsten bewahren: dem finanziellen Kollaps.

So jedenfalls lässt sich die Ausstiegsklausel interpretieren, die Teil des Angebots sein soll, das der HSV seinem Jungstürmer gemacht hat. Nach Informationen der Zeitschrift „Sport-Bild“ würde Arp bei einer Verlängerung seines Vertrages bis 2023 nicht nur sein Gehalt von 500.000 Euro auf zwei Millionen Euro vervierfachen. Er dürfte im Fall des Abstiegsfall den Club verlassen – gegen eine Ablösezahlung von etwa zehn Millionen Euro.

Diese satte Einnahme würde nicht nur den Verlust des Toptalents ein wenig kompensieren, sondern auch den dann zu erwartenden Einbruch bei den Einnahmen vor allem aus TV-Rechten und Sponsoring.

Vom HSV gibt es für die Zahlen bislang keine Bestätigung. Laut „Hamburger Morgenpost“ seien sie bislang nur Grundlage für weitere Verhandlungen. Ein nächstes Treffen sei für Anfang Februar geplant.

Ein möglicher Abnehmer soll sich bereits gefunden haben: RB Leipzig. Der Vizemeister habe, wie „Sport-Bild“ schreibt, „im Arp-Umfeld vorgefühlt“ – und den Eindruck gewonnen, dass ein Wechsel durchaus vorstellbar wäre.

HSV-Wunschspieler Mehmedi wechselt nach Wolfsburg

Der HSV ist in seinem Bemühen um Bayer Leverkusens Admir Mehmedi auch im dritten Anlauf abgeblitzt. Der Schweizer Offensivspieler wechselt stattdessen zum VfL Wolfsburg, wo er einen Vertrag bis 2022 erhält.

Aufgrund der angespannten finanziellen Lage ihres Clubs hatten die Hamburger nur ein Leihgeschäft anbieten können. Dieses kam für Leverkusen offenbar nicht infrage. Der VfL lässt sich den Transfer angeblich acht Millionen Euro kosten, durch Nachzahlungen könnte die Ablöse noch auf zehn Millionen Euro steigen.

Mehmedi hätte als torgefährlicher und variabler Mittelfeldspieler beim HSV das Anforderungsprofil erfüllt, das Sportchef Jens Todt für einen möglichen Neuzugang erstellt hatte.

Teodorczyk kommt nicht, Jatta und Waldschmidt müssen bleiben

Auch eine weitere mögliche Neuverpflichtung hat sich aus finanziellen Gründen zerschlagen. Wie Sportchef Jens Todt auf Anfrage bestätigte, kann sich der HSV den polnischen Stürmer Lukasz Teodorczyk von RSC Anderlecht nicht leisten. Die "Bild"-Zeitung hatte ebenfalls darüber berichtet. Den 26-Jährigen habe HSV-Sportchef Jens Todt im Januar bei einem Testspiel in Spanien beobachtet, vergangene Woche habe es in Polen Verhandlungen gegeben – ohne Erfolg.

Damit ist klar, dass Bakery Jatta und Luca Waldschmidt in Hamburg bleiben. Zweitligist Greuther Fürth wollte den 19 Jahre alten Flügelstürmer Jatta gern ausleihen. Der SC Freiburg fragte wegen Waldschmidt an und war bereit, zwei Millionen für den Youngster auszugeben, der den HSV mit seinem Siegtor am letzten Spieltag der vergangenen Saison vor der Relegation bewahrte.

Jatta kam in der Bundesliga letztmals im September zum Einsatz und konnte seitdem nur beim HSV II in der Regionalliga Spielpraxis sammeln.