Meinung
Kommentar

Null Toleranz für Müllsünder

Der Verfasser ist Autor beim Hamburger Abendblatt

Der Verfasser ist Autor beim Hamburger Abendblatt

Foto: Bertold Fabricius / HA

Die Verursacher müssen häufiger bestraft werden

Man muss ja nicht zwingend New York als Vorbild nehmen, wenn man über Müll in Winterhude, Niendorf oder auf St. Pauli sprechen will. Eines aber kann man von der US-Metropole lernen – und das ist diese Art des „Wehret den Anfängen“, bekannt geworden als „Broken Windows Theory“. Danach muss eine gebrochene Scheibe in einem Haus schnell beseitigt werden, weil sonst bald auch alle anderen Scheiben demoliert werden und sich am Ende erst die ganze Straße und bald auch das gesamte Viertel in eine kaputte Gegend verwandelt. In New York folgte aus dieser Erkenntnis die Null-Toleranz-Strategie, nach der jeder kleinsten Art von Verwahrlosung sofort begegnet werden muss.

Hamburgs Stadtreinigung hat das US-Theorem ins Norddeutsche übersetzt und festgestellt: „Müll zieht Müll an.“ Wenn jemand also an einer dunklen Ecke seine alte Matratze entsorgt, kommt schnell der nächste, der einen Kühlschrank oder alte Reifen dazuwirft – und zack haben wir eine illegale Müllkippe. Dass passiert in Hamburg viel zu oft. Noch nie gab es so viele Beschwerden über wilden Müll wie 2017. Zwar werden gemeldete Abfälle meist schnell beseitigt – was dem Ausbessern der New Yorker Glasscheibe entspricht. Die Verursacher aber werden nicht einmal in jedem 25. Fall erwischt und bestraft. Von null Toleranz gegen Müllsünder ist Hamburg also weit entfernt.

Immerhin: Es ist ein gutes Signal, dass die Stadtreinigung jetzt selbst die Täter jagen und Geldstrafen verhängen darf – was die bisher zuständigen Bezirke viel zu selten getan haben. Es reicht nämlich nicht, den illegalen Müll schnell wegzukarren. Man muss die Verursacher auch so oft wie möglich erwischen und pädagogisch bearbeiten – im Zweifel mit hohen Geldstrafen und einer Karte, die alle Recyclinghöfe der Stadt auflistet.