Meinung
Zwischenruf

Wonderstripes: Strahlende Augen selbst geklebt

Das ist ja fast so, als würde man sich die Wangen straffen, indem man sie an die Ohren tackert.

Werbung kann so viel Hoffnung spenden: „Einfach schöne Augen, in Sekundenschnelle“, verheißt die Beschreibung. Toll, denkt man da als Frau, die das jugendliche Alter hinter sich gelassen hat. „Transparent & angenehm zu tragen. Schnell & einfach anzuwenden. Dermatologisch getestet. Eine Packung mit 64 Wonderstripes.“

Der Trend geht zum Selbermachen – Bier, Gin, Sägearbeiten – warum nicht auch Augen? Die Anleitung klingt schon mal idiotensicher, aber es regen sich dennoch erste Zweifel: Augenlid entfetten. Stripes vorsichtig von der Folie ablösen. Kopf leicht in den Nacken neigen. Stripe in die Lidfalte kleben. WOW! Das steht da wirklich! WOW! Klingt ungefähr so glaubwürdig, wie Heidi Klum, wenn sie Burger anpreist.

Wie Tilly aus der Spülmittelwerbung

Also, mal ehrlich, wie soll man sich denn damit unter die Leute trauen? Das ist ja fast so, als würde man sich die Wangen straffen, indem man sie an die Ohren tackert. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn sich diese Stripes plötzlich lösen – mitten im Vorstellungsgespräch oder in einer Konferenz? Mit einem leichten: Plopp! Dann lieber Schlupflider! Und gegen müde Augen hilft auch eine Mütze Schlaf.

Irgendwie wünsche ich mir Tilly mit der Spülmittelwerbung zurück, wie sie einer jungen Frau das Geheimnis ihrer zarten Hände verriet: „Sie baden gerade Ihre Hände drin“, sagte sie strahlend. Das war so simpel, dass man es fast glauben konnte.