Meinung
Zwischenruf

Was Weihnachtsfeiern über Firmen verraten

„Employer Branding“ ist auch so einer dieser vielen neudeutschen Begriffe, die wahnsinnig wichtig klingen. Damit wird die „Positionierung eines Unternehmens als glaubwürdiger und attraktiver Arbeitgeber“ bezeichnet. Für die Firmen wird es tatsächlich immer wichtiger, auf dem Arbeitsmarkt gut dazustehen, denn je geburtenschwächer die Jahrgänge, desto geringer ist die Chance, echte Talente anzuheuern.

Als vor gar nicht allzu langer Zeit alles noch irgendwie normal verlief, als Personalchefs Worte wie „die wichtigste unserer Ressourcen ist der Mensch“ nicht nur sagten, sondern sogar selbst daran glaubten, wurden potenzielle Kandidaten mit einem eigenen Büro, mit Weihnachts- und Urlaubsgeld, vielleicht einem Betriebskindergarten oder einem Dienstwagen, doch stets auch mit berechenbaren Aufstiegschancen geködert.

Seitdem diese Anreize jedoch zunehmend von „Incentives und Benefits“ wie etwa dem kostenlosen Angebot von Kundalini-Yoga in der Mittagspause, bunten Wasserspritzpistolen, Hundesittern oder einem Bällebad abgelöst werden, fällt es immer schwerer, die Attraktivität eines Unternehmens zu beurteilen (Berufsanfänger sollten jedoch wissen: Je mehr solcher Gimmicks, desto schwerer wiegt schon wenig später die Sklavenkette).

Weihnachtsfeier als Gradmesser für Unternehmen

Wäre da nicht dieses Relikt der alljährlichen Weihnachtsfeier: Sie ist der Gradmesser im feierlichen Gewand und gibt hundertprozentigen Aufschluss darüber, wie wichtig einem Unternehmen seine Mitarbeiter wirklich sind. Denn Weihnachtsfeiern sind schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen; der effizienteste Motivationsschub, den Firmen ihren Mitarbeitern zukommen lassen können und damit auch die beste Visitenkarte der herrschenden Unternehmenskultur.

Wer sich also für einen Jobwechsel interessiert, sollte versuchen herauszufinden, wie die letzte Weihnachtsfeier beim potenziellen neuen Arbeitgeber verlaufen ist – pompös, feierlich, angemessen, mit Eigenbeteiligung, am Glühweinstand oder im Grunde gar nicht. Oder wie es neulich eine inzwischen jobsuchende Freundin erzählte: „Als man uns Hähnchenschenkel mit Rahmgemüse im Großraum servierte, wussten wir: Die Sache ist gelaufen.“