Meinung
Nachspiel

Es ist Spionage im Fußball!

Und nun also die Aussies. Ausgerechnet eine der entspanntesten Spezies Mensch, zumindest im Sport, hat sich jetzt der Spionage schuldig gemacht. Behaupten jedenfalls die Honduraner. Bei einer Trainingseinheit war ihnen über dem Stadion in Sydney eine Drohne aufgefallen. Ein Flugobjekt, ausgerüstet mit dem unbestechlichen Auge einer Kamera. Vielleicht nicht ganz so modern aufgerüstet wie ein Eurohawk der Bundeswehr, der bekanntesten deutschen Spionage-Technologie am Himmel. Aber wahrscheinlich hochauflösend genug, um herauszufinden, was sich die honduranische Nationalmannschaft heimlich ausgedacht hat vor dem Play-off-Rückspiel gegen die Australier.

Schließlich geht es für die Socceroos darum, den mittelamerikanischen Gegner nach dem 0:0 im Hinspiel niederzuringen. Um dabei sein zu können bei der Fußball-WM im kommenden Jahr. Und weil die Königsdisziplin des Sports, diese hochkomplexe Melange aus gläsernen Akteuren und ausgetüftelten Spielsystemen, gespickt ist mit Fußballgeheimnissen, ist der Versuch der Australier nachvollziehbar, diese auszukundschaften.

Dass in Wahrheit ein Vater mit seinem Sohn im Park nebenan ein bisschen Himmelsstürmer gespielt hatte, wollte Honduras-Coach Pinto nicht gelten lassen. "Lasst uns nicht unschuldig tun", sagte er. "Es ist Spionage im Fußball!" Oha. Ob Dreier- oder Viererkette, zwei Außenverteidiger, offensiv oder defensiv, ein Sechser oder zwei, ein St0ßstürmer oder nicht ... alles hoch geheim. Psst!

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