Meinung
Zwischenruf

Die Verschwörung der Gummibärchen

Von den leckersten Gummibärchen sind immer am wenigsten in der Tüte. Ist doch klar. Geheime Kräfte sind auch woanders am Werk.

Ein Freund hat neulich endlich einmal ausgesprochen, was insgeheim wohl jeder schon geahnt hat: Von den leckersten Gummibärchen sind immer am wenigsten in der Tüte.

Das kennen wir doch alle: Die fruchtigen roten sind in Nullkommanichts weg, dafür sind die blassen weißen immer in großer Zahl in der Tüte. Wer glaubt, das habe mit den Vorlieben und dem Essverhalten der Gummibärchen-Fans zu tun, der irrt. Es ist eine Verschwörung. Denn die Hersteller dieser süßen oder sauren Versuchungen kennen die Vorlieben der Kunden. Also sorgen sie für Verknappung, und jeder weiß, was das bedeutet: die Preise steigen. Will der Verbraucher also so viele rote essen, wie er weiße vorfindet, muss er eine zweite Tüte kaufen oder eine dritte. Und damit den Verdienst des Anbieters steigern.

Nur kenne ich auch eine Freundin, die sich immer darüber beschwert, dass nie genug grüne Bärchen in der Tüte seien. Dafür zu viele von den blöden roten, findet sie. Das ist nun seltsam. Dunkle Mächte.

Wir können aber auch gleich die „sortenreinen“ Bärchen dazu kaufen. Die sind dann allerdings bis zu zehn Cent pro 100 Kilogramm teurer als die normale Sortierung. Das alles ist Kapitalismus in Reinkultur – sagt mein Freund. Er hat das Gummibärchen-Prinzip durchschaut.

Doch geheime Kräfte walten eben überall: Wer bestimmt eigentlich, wie viele weiße und rote Schokolinsen in einer Tüte sind? Oder dass die 26 die häufigst gezogene Lottozahl ist? Wer entscheidet, wer Karten für die Elbphilharmonie bekommt oder dass der HSV nie absteigt? Vielleicht die Vorsehung? Fragen über Fragen.