Meinung
Schumachers Woche

Herzlich Willkommen im Jamaika-Haus

Hajo Schumacher
Hajo Schumacher

Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

Großstadt, schick renovierter Altbau, und Kubicki wohnt ganz oben. Es geht allen gut. Und das ist das Problem.

Stellen wir uns vor, die schwarzgelbgrünweißblauen Koalitionssondierer wohnten zusammen. Was für ein Haus wäre das? Stimmt: Großstadt, renovierter Altbau, eine Gegend, wo die Überlebenden dreier Gentrifizierungswellen wohnen. Mehr Eigentümer als Mieter, weshalb Wohnungsmangel kein Thema ist. Kubicki logiert mit seinem Humidor im Penthouse, die Familien weiter unten, immer noch lichtdurchflutet. Ganz verschiedene Hintergründe, aber alle im Aufstieg vereint: Sie haben Netflix, die Gemüsekiste aus der Region, dieses schicke Rudergerät in Kirschholz. Sie verdienen mehr als auskömmlich, Rente sicher, Kinder mit Erasmus an einer Elite-Uni im Ausland. Erben-Deutschland, Aufsichtsrats-Deutschland, wo man schon mal 100 Milliarden zusätzlich raushaut, um bei den Freunden nicht als Knauser dazustehen. Zu Weihnachten schickt der Anlageberater eine Aufmerksamkeit. Air Berlin? Kann man nichts machen. Bildungsgerechtigkeit? Klar, alle vier Jahre wieder fordern, folgenlos wie immer. Und Klimaschutz natürlich. Konsensuales Nicken zu besorgten Leitartikeln über Trump.

Mindestlohnkontakt nur, wenn der Paketbote alte Apfelsorten für den Balkon liefert. Putzfrauen haben es gut im Jamaika-Haus: zwölf Euro die Stunde, zu Weihnachten einen Hunni extra, gegen Beleg, für die Steuer, und obendrauf die abgelegten Sachen, alles Naturfasern. Gute Menschen.

Jamaika repräsentiert Hillary-Deutschland, sattsicheres Weißburgunder-Deutschland. Und genau hier schlummert der blinde Fleck der Koalitionäre: Sie repräsentieren die sichere Hälfte dieses Landes, wo es keine Alten gibt, keine Arbeitslosen, keine Ostmänner, keine Prekären, keine Alleinerziehenden, keine Gegenden mit Flüchtlingsheimen, keine ÖPNV-Nutzer, sondern Menschen, für die nicht Steuern das Problem sind, sondern Tarife, Gebühren, Abgaben. Jamaika wird keine große, sondern eine riesengroße Koalition der bessergestellten Bewahrer. Genau darauf warten die Extremen.

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