Meinung
Zwischenruf

Wunder gibt es in Hamburg immer wieder

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Norman Raap

Manche Momente sind so überraschend, dass einem der Atem stockt – und man nur Luft holt, um ungläubig „Nee, ne?!“ rufen zu können. Beispielsweise, wenn im Laufe eines sehr langen Fernsehabends im hintersten Winkel des Küchenschranks plötzlich eine längst vergessene Chipstüte ans Licht kommt – und der Inhalt sogar noch haltbar ist. Oder wenn der Lieblingsverein eine sicher geglaubte Niederlage in den Schlussminuten noch in einen Überraschungssieg verwandelt (Liebe Hamburger, ja, das gibt es wirklich!).

Oder neulich in der Nachbarschaft, die einem so trist vorkam, weil ein Laden neben dem anderen schon so lange leer stand. Und jetzt diese wirklich unglaubliche Entwicklung. Dort, wo bis vor wenigen Jahren noch eine gut besuchte Kölsch-Kneipe für ein bisschen Leben am Abend sorgte und dann von einem Tag auf den anderen sang- und klanglos wieder verschwand, tut sich plötzlich etwas, das so unfassbar ist, dass man sich erst einmal kneifen lassen muss, um sicher zu sein, nicht zu träumen. Unmöglich. Völlig unmöglich. Ja! Nein! Doch!

Es gibt nur eine vernünftige Erklärung: Sicher hat eine Filmfirma den alten Laden umbauen lassen, um eine originalgetreue Kulisse für ein Historiendrama zu schaffen, das in den vergangenen Jahrzehnten spielt. Heute gibt es derartige Geschäfte doch gar nicht mehr! Und wenn, dann werden sie nicht neu eröffnet, sondern allenfalls geschlossen oder mit anderen Filialen zusammengelegt – oder es werden Dienstleistungen, wie Pakete und Briefe anzunehmen (und aufzugeben), an Kioske abgegeben. Dennoch sehnen sich viele Hamburger nach ihrer guten alten Postfiliale zurück.

Und jetzt das. Auf der Klebefolie des Schaufensters steht allen Ernstes: „Hier eröffnet die Postbank in Kürze eine neue Filiale mit allen Serviceleistungen.“

Nee, ne?! Das muss ein schlechter Scherz sein. Oder ein kleines Wunder.

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