Meinung
Zwischenruf

Die eindeutig bessere Badeordnung

In vielen Familien gab es früher eine klare Badeordnung: Erst durfte der Vater in die Wanne, danach meist die Kinder und hinterher durfte auch noch die Mutter in die lauwarme Brühe. Klingt nicht gerecht, aber damals wurde mit Ressourcen eben noch gehaushaltet.

Seither ist vieles anders geworden. Die Badewanne steht nicht mehr in der Küche, die Dusche hat ihr ohnehin den Rang abgelaufen, und überhaupt sind die modernen Badezimmer wahre Wellness-oasen. Ohne Duschvorhänge, die einem immer um die Beine geflattert sind. Danach kam die gläserne Kabine. Schön hell und groß. Doch wer putzt schon gern jeden Tag diese Glastüren?

Meine Nachbarin hat jedenfalls genug davon, sie hat Gleichgesinnte um sich geschart, die sich alle ihre Badezimmer neu einrichten lassen wollen – mit offenen Duschen und Lehmputz. Und als Großauftrag mit ordentlich Rabatt beim Badausstatter.

Mir ist das immer noch zu teuer, ich stelle lieber die Badeordnung von früher auf den Kopf. Während mein Mann morgens noch mit seiner Rasur beschäftigt ist, gehe ich duschen. Und die Scheiben, die putzt natürlich er, wenn er fertig geduscht hat. Der Letzte macht die Spritzer weg. Sie finden das egoistisch? Immerhin hat er heißes, frisches Wasser. Das ist doch auch was!

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