Meinung
Kommentar

FC St. Pauli darf keine falsche Solidarität üben

Beim Hamburger Fußballclub sind nach den Vorfällen im Spiel gegen Dynamo Dresden Fans und Führung gefordert, sich zu positionieren.

Wie wäre es doch angenehm für die Führungskräfte des FC St. Pauli, sich einfach nur über den derzeitigen sportlichen Aufwärtstrend des Zweitligateams freuen zu können. Stattdessen aber sind Präsidium und Geschäftsführung gefordert, ein nicht akzeptables Verhalten einiger Fans aufzuarbeiten, sich dem DFB zu erklären und Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen.

Das von den sogenannten „Ultras“ erstellte und hochgehaltene Transparent, das die Dresdner Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs verhöhnt, stellte eine neue Dimension dar und war sicher nicht mehr durch das wichtige Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt, sondern eine widerwärtige Beleidigung. Hier sind ein paar politische Fanatiker weit über das Ziel hinausgegangen und haben einer guten Sache, nämlich dem Kampf gegen Faschismus und Rechtspopulismus, einen Bärendienst erwiesen.

Die Tatsache, dass das „fanorientierte“ Präsidium des FC St. Pauli und auch der unabhängige Fanclub-Sprecherrat den Inhalt des Transparentes missbilligen und sich bei Dynamo Dresden entschuldigt haben, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssen. Insbesondere ist die große Mehrheit der Anhänger, vor allem auch der organisierten Fans, gefordert, klare Kante gegen diejenigen zu zeigen, die mit derartigen Plakataktionen das immer noch gute Image beschädigen. Ein schweigendes Hinnehmen eines solchen organisierten Fehlverhaltens wäre eine falsch verstandene Solidarität. Vielmehr sollte das Präsidium zumindest versuchen, sich eine mögliche Strafzahlung von den Verursachern zurückzuholen. Wünschenswert ist zudem, dass sich die St.-Pauli-Fans bei Plakaten und Rufen wieder ihres Humors und ihrer Kreativität besinnen, für die sie eigentlich bekannt sind.