Meinung
Nachspiel

McLaren-Report muss endlich Konsequenzen haben

Massenhaften Betrug massiv bestrafen, fordert Abendblatt-Sportredakteur Achim Leoni

33 Medaillen hat Russland bei seinen Winterheimspielen in Sotschi 2014 gewonnen. Mindestens zwölf davon, das geht aus dem am Freitag vorgelegten McLaren-Report hervor, basieren auf Betrug. Insgesamt waren in den vergangenen vier Jahren mehr als 1000 Athleten aus dem Riesenreich Teil eines staatlich gesteuerten Dopingsystems. Die Beweislage ist eindeutig. Und die Konsequenz sollte es auch sein: Nur ein vollständiger Bann Russlands von Großereignissen kann jetzt noch helfen, verlorenes Vertrauen in den Sport und seine Institutionen wiederherzustellen.

Auf die Einsicht der Betroffenen, auf eine interne Aufarbeitung der kriminellen Machenschaften, brauchen wir wohl nicht zu hoffen. Erst in dieser Woche wurde die Stabhochsprung-Ikone Jelena Issinbajewa zur Chefkontrolleurin der russischen Anti-Doping-Agentur ernannt. Sie hatte noch im Sommer eine lebenslange Sperre der Whistleblowerin Julia Stepanowa gefordert, die den Skandal erst ins Rollen gebracht hatte. Und die Behörden streiten weiter alles ab.

Das Internationale Olympische Komitee als ein Hauptgeschädigter darf seine Verantwortung nicht noch einmal auf die Fachverbände abwälzen wie vor den Sommerspielen in Rio. Ein lebenslanger Olympia-Ausschluss von Dopingsündern, wie ihn IOC-Präsident Thomas Bach in einer ersten Reaktion gefordert hat, ist als Abschreckungsmaßnahme sicher zu begrüßen. Aber wer massenhaft betrügt, kann keinen Anspruch auf Einzelfallprüfung erheben.