Meinung
Kommentar

Hapag-Lloyd hat wieder Klasse

Vorstand der Reederei hat aber schwere Aufgaben vor sich

Der Vorstandschef der Reederei Hapag-Lloyd, Rolf Habben Jansen, hat einen guten Job gemacht, um eine seiner Redewendungen zu nutzen. Er hat die Fusion mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV erfolgreich abgeschlossen, den Schifffahrtskonzern wieder in die Gewinnzone zurückgeführt und das Unternehmen an die Börse gebracht – Letzteres allerdings mit Hängen und Würgen.

Habben Jansen hat aber viel mehr erreicht: Mit der Vorlage der Bilanz am Mittwoch hat er sein Grundvertrauen in die positive Entwicklung des Unternehmens zum Ausdruck gebracht und dem geschichtsträchtigen Haus vom Ballindamm damit ein Stück seiner Würde zurückgegeben, die es in den vergangenen Jahren angesichts von Rekordverlusten jenseits der 600 Millionen Euro zu verspielen begann.

Aus der Masse der Weltschifffahrt stechen nur wenige Unternehmen heraus, die Gewinn machen. Sie haben Klasse, dazu gehört Hapag-Lloyd. Natürlich haben der geringe Treibstoffpreis, der günstige Dollarwechselkurs und massive Einsparungen zu deren Gewinn geführt. Letztlich ist es egal, was den Erfolg brachte.

Mag am Ballindamm das „Wir­gefühl“ wieder einziehen, beim Anleger ist es bisher nicht angekommen. Die Aktie der Reederei dümpelt weit unter dem Ausgabekurs vom November zwischen 16 und 17 Euro vor sich hin. Das ist schlecht, nicht zuletzt für die Stadt Hamburg, die als zweitgrößter Aktionär 20,6 Prozent der Anteile hält.

Darum fängt der Job von Habben Jansen jetzt erst richtig an. Er muss mit stabilen Ergebnissen auch bei den Anlegern das Vertrauen in das Unternehmen zurückgewinnen. Erst wenn die Aktie kräftig steigt, kann die Stadt Hamburg ihre Beteiligung an der Reederei mit einem positiven Ergebnis für den Steuerzahler abschließen.

In einem stark fragmentierten Markt werden die Karten neu gemischt. Will die Reederei auch weiterhin zu den Top fünf der Branche gehören, wird sie um neue Allianzen und Akquisitionen nicht herumkommen. Dabei muss sie aufpassen, dass sie ihre besondere Bedeutung für den Hamburger Hafen als wichtigster Ladungs­bringer nicht verspielt. Dann hat Hapag-Lloyd auch für die Hamburger wieder Klasse.