Meinung
Nachspiel

Hamburg ist die neue Fußballhochburg

Der Autor ist stellvertrender Leiter des Sport-Ressorts beim Abendblatt

Der Autor ist stellvertrender Leiter des Sport-Ressorts beim Abendblatt

Foto: Andreas Laible / HA

Der Vergleich ist des Glückes Tod, heißt es ja im Volksmund. Aber manchmal macht es auch richtig Spaß. Also gönnen wir uns eine kurze Zeitreise zurück zum 26. April. Nach dem 1:2 in Heidenheim fällt der FC St. Pauli auf Abstiegsplatz 17. Beim HSV schöpft man nach dem erkämpften 3:2-Erfolg gegen Augsburg wieder etwas Hoffnung, belegt aber noch immer Relegationsplatz 16. Wie wir wissen, halten beide Clubs am Ende mit einem Kraftakt gerade noch so die Klasse.

Fünf Monate später scheint die Fußballwelt komplett auf den Kopf gestellt zu sein. Die Dauer-Parkplätze in der unteren Tabellenregion sind gekündigt, St. Pauli grüßt von Platz drei, der HSV von Rang sechs – mitten im Rote-Laterne-Milieu ist die Fußball-Hochburg Hamburg entstanden!

Na ja, zumindest vorübergehend. Mit dem zarten Aufschwung sogleich die Erwartungshaltung anzupassen, wäre fatal. Worauf die Anhänger der beiden Proficlubs aber hoffen dürfen, ist eine sorgenfreiere Saison, was in erster Linie an den Glücksgriffen auf den Trainerposten liegt. Endlich muss im Herbst nicht die Liste aller verschlissenen Fußballlehrer hervorgekramt werden. Und endlich könnte es – eigentlich unvorstellbar in Hamburg – gelingen, dass der Sport dauerhaft im Zentrum der Arbeit steht.

„Fußball ist so einfach – aber genau das ist so schwer“, lautet eine von Uwe Seelers Weisheiten. Dazu gehört auch, nicht abzuheben und zu glauben, die Erfolge ließen sich mit geringerem Aufwand einfach wiederholen. Sonst bedeutet der Ausflug der Clubs nach oben nur, dass sie umso tiefer fallen.