Meinung
Zwischenruf

Ein Satansbraten mit Einhornblick

Kleinkinder sind meistens witzig – wenn sie nicht gerade nerven. Nehmen wir die Sache mit dem Herd. Mit seinem unbeschwerten Verhältnis zur Elektronik oder seinen Profikoch-Ambitionen bringt uns unser 17 Monate alter Sohn regelmäßig zum Kochen. Man schaut einen Moment nicht hin und, schwupps, glüht ein Ceranfeld – während unsere Selbstbeherrschung wie Butter in einer heißen Pfanne zerläuft. Da baut man sich dann in aller Strenge und väterlicher Autorität (eine Illusion) vor dem zuckersüßen Lütten mit dem engelsgleichen Gesicht auf, droht mit dem erhobenen Zeigefinger und sagt alberne Sachen wie: „Na, na, das ist gefährlich, nicht tun!“ Bringt nur nix. Sohn guckt dann so tiefenentspannt und versonnen, als hätte er gerade ein Einhorn auf einer malerischen Wiese zum Weideplatz geführt. Manchmal bricht er auch nach einer Tirade in schallendes Gelächter aus. Wir haben ihm jetzt einen Plastikherd gekauft, den er (muss man das erwähnen?) nicht eines Blickes würdigt. Unsere Theorie: Das Teil ist in den Augen des Kindes doof, weil die Eltern die drollige Show mit dem erhobenen Zeigefinger nicht machen.

Technikbegeisterung hat heutzutage ja auch etwas Gutes. Gerade erst hat der Lütte sein erstes physikalisches Experiment durchgeführt, indem er das iPhone der Oma in einem Glas Orangensaft versenkte. Ergebnis: Display defekt. Da staunte der Kleine nicht schlecht! Unseren Satansbraten haben wir natürlich trotzdem ganz doll lieb.