Meinung
Kommentar

Hamburger Politik darf nicht an Kita-Qualität sparen

Erzieher wollen schnellere Verbesserungen beim Personal

Bis zu 192 Euro kann eine Familie jeden Monat sparen, das sind aufs Jahr gerechnet 2304 Euro. Das Geschenk des Senats, die fünfstündige Kita-Betreuung beitragsfrei zu machen, kam den Hamburger Eltern im August 2014 sehr gelegen. Mit dieser Summe lässt sich eine Menge anfangen.

Dass diese Grundversorgung die Eltern nichts mehr kostet, ist folgerichtig, wenn man Bildung als gesellschaftliche Aufgabe betrachtet, die nicht vom Einkommen der Eltern abhängig sein darf. Das tut der Hamburger Senat. Und das hat Konsequenzen: Genauso, wie es für Schüler klar definierte Lernziele gibt, ist in den Hamburger Bildungsempfehlungen auf 114 Seiten genau festgelegt, was Kita-Kinder lernen sollen. Man kann nun argumentieren, dass vor allem Eltern in der Pflicht sind, dass sie es sind, die den Kindern vorlesen, mit ihnen spielen, sie die Welt entdecken lassen. Aber die Realität ist längst eine andere. Immer mehr Kinder werden immer früher in Krippen betreut, verbringen also viel früher und viel mehr Zeit mit ihren Erziehern. Damit verlagert sich ein großer Teil der frühkindlichen Bildung weg vom Elternhaus.

Wer kleine Kinder hat, weiß, dass das intensiv und anstrengend ist, auch wenn man sich nicht um sechs oder sieben Wickelkinder gleichzeitig kümmern muss. Das aber ist die Realität in Hamburger Krippen. Die Vereinbarung, die erst im Dezember geschlossen wurde, wonach sich ab 2019 ein Betreuer nur mehr um vier Krippenkinder kümmern muss, reicht den Erziehern jetzt schon nicht mehr. Fünf Jahre können lang sein, wenn man an der Grenze zur Erschöpfung arbeitet. Sie fordern sofortige Entlastung, um gute Arbeit leisten zu können. Deshalb marschieren sie zum Rathaus.

Zur Wahrheit gehört, dass der SPD-Senat so viel Geld wie noch nie in die Kindertagesbetreuung steckt und für Eltern viele Erleichterungen durchgesetzt hat. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es nicht reicht, Eltern bei den Kosten zu entlasten, dafür aber an der Qualität der Betreuung zu sparen. Denn wenn die vereinbarten Verbesserungen 2019 greifen, werden die jetzigen Krippenkinder bereits die Grundschule besuchen.