Meinung
Kommentar

Die Handelskammer ist kein Spielzimmer

Streit mit Rebellen schadet dem Ansehen der Institution

Die Situation in der Hamburger Handelskammer ist derzeit mehr als verfahren. Sah es für einige Wochen so aus, dass Rebellen und Kammerführung nach Beendigung des Wahlkampfgetöses zu den Plenarwahlen auf einer Sachebene zueinanderfinden, zeigen die jüngsten Ereignisse, dass der Konflikt offenbar doch nicht ausgestanden ist. Es drängt sich eher der Eindruck auf, dass beide Seiten an einer Lösung des Problems nicht mehr wirklich interessiert sind.

Den Kammer-Kritikern, die fast 20 Prozent der Mitglieder im Plenum stellen, einen von sechs Sitzen im Präsidium zu versagen, ist keine besonders kluge Entscheidung der Handelskammerführung. Das ständige Sticheln und Drohen mit einer Spaltung vonseiten des Reformbündnisses wirkt auch nicht besonders erwachsen. Kindlich-trotzig beharren beide Seiten auf ihren Standpunkten.

Die Handelskammer ist aber kein Spielzimmer, sondern eine bedeutende Wirtschaftsvertretung in Deutschland. Wenn die Diadochenkämpfe zwischen Rebellen und Kammerführung – wie kürzlich geschehen – sogar zu einem Sechs-Minuten-Beitrag im Deutschlandfunk einladen, ist das schädlich für das überregionale Ansehen der traditionsreichen Institution. Dass die Handelskammer sich derzeit so sehr mit sich selbst befasst, lähmt ihre Sacharbeit nach außen.

Oder ist genau das bezweckt? Insbesondere die Reformgruppe um das Bündnis „Die Kammer sind Wir!“ muss sich die Frage gefallen lassen, ob es ihr wirklich darum geht, für Hamburgs Wirtschaft bessere Rahmenbedingungen zu erreichen, oder ob sie vielmehr darauf abzielt, Sand ins Kammergetriebe zu streuen, damit die Institution ihre wirtschaftspolitische Bedeutung verliert.

Die Führung der Handelskammer befürchtet genau das. Sie glaubt an eine Verschwörung linker Kräfte zur Schwächung der Kammer. Die Rebellen schwören hingegen, dass sie konstruktiv mitarbeiten wollen. Dann sollten sie aber an ihrer Wortwahl arbeiten. Begriffe wie „Wahlkampf“, „Opposition“ und „Spaltung“ kennen wir aus dem Politikbetrieb. Sie sind in der Hamburger Wirtschaft vollkommen fehl am Platz.