Meinung
Kommentar

Die Formel gegen den Abstieg des HSV

Das Rumpfteam des HSV überzeugt mit Charakter

Beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle scheint sich an diesem Wochenende nichts Gravierendes getan zu haben. Nach dem Remis gegen Frankfurt belegt der HSV weiter Relegationsplatz 16, punktgleich mit Stuttgart (15.) und nur drei Punkte vor Schlusslicht Braunschweig. Heißt: Zehn Spieltage vor Saisonende kann die Situation des Dinos – je nach Laune – als gefährlich, besorgniserregend oder sogar dramatisch eingestuft werden, schließlich ist es den Hamburgern wie in der Vorwoche in Bremen nicht gelungen, gegen einen direkten Konkurrenten dreifach zu punkten.

Als Gewinner darf sich der HSV dennoch fühlen, weil er seinen Anhängern die Hoffnung und Zuversicht zurückgegeben hat, dass die Mission Klassenerhalt trotz aller Hindernisse (wie Verletzungspech und Qualitätsdefiziten) nicht aussichtslos ist. Wer sich nach mäßiger erster Halbzeit so eindrucksvoll zurückkämpft, hat sich die leidenschaftliche Unterstützung von den Rängen und den anerkennenden Applaus des Anhangs nach dem Abpfiff verdient.

Besonders der Zusammenhalt zwischen Fans und Spielern kann der große Trumpf sein in den kommenden Wochen. Die Anhängerschaft der Hamburger präsentierte sich in den vergangenen Jahren stets vorbildhaft als bedingungsloser und beeindruckender Rückhalt – vorausgesetzt, auf dem Platz war zumindest die Bereitschaft zur Leistung erkennbar. Bleibt dies aus, kann es auch beim HSV zu Zerwürfnissen kommen wie nach dem 0:3 gegen Hertha.

Doch mit dem Trainerwechsel von Bert van Marwijk zu Mirko Slomka scheint der Tiefpunkt überwunden. Slomka kennt die Liga, er weiß, wie es ist, im Abstiegskampf zu stecken, und er versucht mit viel Engagement und Liebe zum Detail die Stärken der Mannschaft herauszukitzeln, anstatt über Mängel zu klagen. Außerdem kennt er keine Tabus und scheut nicht das Risiko, wie die Reaktivierung der zuvor aussortierten Robert Tesche und Slobodan Rajkovic beweisen.

Spät, sehr spät scheint der HSV die richtige Formel gegen den Abstieg gefunden zu haben. Als offene Frage bleibt nur, ob die Wirkung dieser Formel rechtzeitig eintritt.