Meinung
Kommentar

Senat ist bei Flüchtlingsheim auf Irrweg

Kosten für Flüchtlingsheim in Alsternähe sind überzogen

Es ist wichtig, von Zeit zu Zeit deutlich zu machen, dass eine gerechte Politik auf einer fairen Verteilung der Lasten und möglicher Belastungen beruht. So spricht viel dafür, eine Unterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber nicht nur am Stadtrand Hamburgs, sondern auch im feinen Harvestehude einzurichten.

Aber dieses Symbol ist einfach zu teuer: Rund 14 Millionen Euro soll das Gebäude des früheren Kreiswehrersatzamtes an der Sophienterrasse kosten, das die Stadt für diesen Zweck erwerben will. Selbst zehn Millionen würden das politisch-erzieherische Signal, das mit der Unterkunft für Flüchtlinge in Alsternähe verbunden werden soll, nicht rechtfertigen.

Es ist ohne Zweifel erfreulich, dass sich bereits eine Anwohnerinitiative in Harvestehude gegründet hat, die den Flüchtlingen, die einmal kommen sollen, das Einleben in fremder Umgebung erleichtern und für Toleranz und Akzeptanz in der Nachbarschaft werben will. Nur darf diese Solidarität und Hilfsbereitschaft nicht den Blick auf die finanzielle Verhältnismäßigkeit des gesamten Projekts verstellen.

Auf einen Irrweg führt auch das Stützargument des Senats und der SPD für den Erwerb der Immobilie in Toplage: Haus und Grundstück ließen sich sicherlich nach Jahren, wenn der vorgesehene Nutzungszweck entfallen sei, mit Gewinn verkaufen. Die Stadt sollte jeden Eindruck vermeiden, sie wolle sich als Spekulantin auf dem Immobilienmarkt betätigen.

Sinnvoll wäre es jetzt, sich auf die Suche nach Alternativen zum Standort in Harvestehude zu machen. Dass das nicht einfach ist, liegt auf der Hand. Aber: Konzepte und Strategien zur Unterbringung von Flüchtlingen werden auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn sie insgesamt vermittelbar sind. Dazu gehört nicht nur die Akzeptanz der Standorte in deren unmittelbarem Umfeld, sondern eben auch die Nachvollziehbarkeit der Kosten bei allen Steuerzahlern.

Was das Bürgerengagement für Flüchtlinge und Asylbewerber angeht, hat sich ohnehin längst einiges zum Positiven verändert: Es gibt ermutigende Beispiele wie jenes in Lokstedt, wo Menschen die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen haben.