Meinung
Kommentar

Derby bleibt beim Kaffee-Sponsor

Das Derby-Engagement ist ein erstklassiger Sponsoren-Ersatz.

Dass die Macher des Deutschen Spring- und Dressurderbys im kommenden Frühjahr die wirtschaftlichen Hürden ohne Hauptsponsor Tchibo überwinden müssen, ist bedauerlich. Finanzkräftig und sehr persönlich hatte sich das Hamburger Traditionsunternehmen seit 2004 um das Weltklasseturnier in Klein Flottbek gekümmert, ohne jedoch überragenden Widerhall in den Medien zu ernten. Derby heißt eben Derby. Und Wall bleibt Wall – ohne Sponsorennamen davor. Dieses Problem ist nicht neu.

Dass Derbychef Volker Wulff und seine Marketing-Agentur En Garde mit J.J. Darboven passenden Ersatz gefunden haben, spricht für Wulffs Qualitäten als bestens vernetzter Manager ebenso wie für die Qualität des professionell organisierten Großereignisses. Dieses kann mit dem werblichen Pfund stundenlanger Liveübertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wuchern. Von einer solchen Präsenz dürfen andere Pferdesportsparten wie Traber oder Galopper nur träumen.

Auch wenn der Absprung eines eingespielten Partners wie Tchibo grundsätzlich ein Verlust ist, sind die Kaffeekollegen aus Billbrook ein Ersatz erster Klasse. Der Boss Albert Darboven verkörpert hanseatische Lebensart, zudem steht er par excellence für den Pferdesport in seiner Stadt: als erfolgreicher Züchter auf seinem Gestüt Idee in Falkenstein wie als Vizepräsident des Hamburger Renn-Clubs, des Ausrichters des Galoppderbys in Horn. Dort sprang Darboven in die Bresche, als mit BMW der Hauptfinanzier ausstieg.

Auch wenn beide Seiten behaupten werden, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, bedeutet die Entwicklung dennoch einen Rückschritt für den Pferdesport in Hamburg. Es ist kein Geheimnis, dass die Galopper weit ärgere Sponsorenprobleme haben als die Springreiter. Ob Hauptsponsor Sparda-Bank in Horn weiterhin zur Stange hält, ist mehr als fraglich. Haben die ehrenamtlichen Funktionäre des Turfs keine gut dotierte Lösung parat, droht weiteres Ungemach, denn Darboven dürfte nun kein Marketingbudget mehr frei haben, um die Galopper erneut zu retten.