Meinung
Kommentar

Die Kehrseite der Billigtickets

Sechster Flughafenstreik in Hamburg in diesem Jahr

Flüge nach Nizza für 33 Euro, nach Wien für 40 Euro oder nach Florida für 300 Euro wären vor 20 Jahren noch unvorstellbar gewesen. Heute sind solche Angebote für die Passagiere längst selbstverständlich.

Doch derart niedrige Ticketpreise haben auch eine Kehrseite: In der Luftfahrtbranche herrscht extremer Kostendruck, denn schließlich sind weder die Flugzeuge noch der Treibstoff in diesem Zeitraum billiger geworden. Dieser Druck führt zu heftigen Verteilungskämpfen, die offenbar immer häufiger in Streiks münden – so wie am Freitagmorgen am Hamburger Flughafen. Es war schon der sechste Tag in diesem Jahr, an dem Fluggäste in der Hansestadt auf eine Geduldsprobe gestellt wurden.

Dabei sind längst nicht mehr vor allem die immer noch relativ gut verdienenden Piloten und Fluglotsen verantwortlich für die Wartezeiten. Verstärkt sind es Beschäftigte am unteren Ende der Lohnskala, die in den Tarifauseinandersetzungen zum schärfsten Mittel greifen. Das galt für die Mitarbeiter der Personenkontrolle, die zu Jahresbeginn den Betrieb in Fuhlsbüttel lahmlegten. Und auch die meisten der Check-in-Kräfte, die am Freitag die Arbeit niederlegten, erhalten weniger als zehn Euro pro Stunde. Ihre Arbeitgeber sind keineswegs renditehungrige Lohndrücker. Die Firma, bei der die Streikenden angestellt sind, ist indirekt ein öffentliches Unternehmen. Denn die Anteilseigner sind deutsche Flughäfen, die wiederum üblicherweise den Städten und Bundesländern gehören.

Die Firma gibt offensichtlich nur den Druck weiter, den Fluggesellschaften auf sie ausüben. Die Airlines wiederum sprechen zwar gern über Qualität. Für Dienstleistungen am Boden aber wollen sie immer weniger bezahlen – und fühlen sich durch das Verhalten der Passagiere bestätigt. Werden Automaten fürs Check-in oder die Kofferannahme eingesetzt, nehmen Fluggäste dies gern an.

Bedenklich stimmt zudem, dass die EU den Kostendruck in der Branche noch verstärkt: An größeren Flughäfen müssen bei der Abfertigung auf dem Vorfeld künftig drei Anbieter miteinander konkurrieren und nicht nur zwei.