Meinung
Kommentar

Vorrang für den Elternwillen

Schülerandrang in Gymnasien ist Folge des Volksbegehrens

Ausgerechnet in Hamburg werden die meisten Kinder aufs Gymnasium geschickt. 52,1 Prozent der Schüler wechseln von der Grundschule dorthin. Und das in einem Bundesland, in dem die Viertklässler etwa bei der Lesekompetenz im Ländervergleich ganz schlecht dastehen. Im vermeintlich sehr viel anspruchsvolleren Bayern besuchen nur 39,8 Prozent der Schüler nach der vierten Klasse die höchste weiterführende Schule.

Doch bevor Diskussionen losgehen über eine etwaige Schülerschwemme auf den Gymnasien der Stadt, sollte bedacht werden, dass es der ausdrückliche Wunsch der Hamburger war, dass eben die Eltern und nicht die Lehrer darüber entscheiden sollen, wie es für die Kinder nach Klasse 4 weitergeht. Zur Erinnerung: Am 18. Juli 2010 sprachen sich 276.304 Bürger gegen die von allen Bürgerschaftsfraktionen geplante Schulreform aus. Es gab fast 60.000 mehr Gegner als Befürworter. Das Elternwahlrecht war eine der zentralen Forderungen der Reformgegner von der Initiative „Wir wollen lernen“. Das Projekt Primarschule war mit dem Referendum am Ende. Ebenso wie der damalige schwarz-grüne Senat.

Der Elternwille ist also ein demokratisch legitimiertes und damit hohes Gut. Oft haben Eltern recht, wenn sie ihre Kinder in einem Gymnasium anmelden. Denn Bildungswege verlaufen nicht nur geradlinig. Oft bekommen Schüler erst spät die Kurve. Der Leistungsdruck in der höchsten Schulform kann durchaus beflügeln. Dass er auch überfordern kann, sollten Eltern aber auch bedenken. Nur sollten sie das selber erkennen und nicht staatlich vorgegeben bekommen.

Die Empfehlungen der Lehrer zu berücksichtigen aber lohnt häufig. Wie gut die Prognosen der Pädagogen sind, lässt sich beim aktuellen Abiturjahrgang von zwölf Stadtteilschulen ablesen. Lediglich ein Drittel der jetzt erfolgreichen Absolventen hatte nach der vierten Klasse von der Grundschule eine Gymnasial-Empfehlung erhalten.

Die Stadtteilschulen zu stärken muss das eigentliche Ziel sein – und nicht, vor drei Jahren gefallene Entscheidungen anzuzweifeln.