Meinung
Leitartikel

Glücksfall Volkspark

Der HSV sollte Investor Kühne beim Wort nehmen und den alten Stadionnamen beleben

Es ist bekanntermaßen Unsinn, dass früher alles besser war. Aber manchmal stimmt es eben doch: Zum Beispiel, wenn wir über das Fußball-Stadion sprechen, in dem der Hamburger SV seine Bundesligaspiele (und hoffentlich bald auch wieder andere) austrägt. Jahrzehntelang wusste jeder in Hamburg, ach was: in Deutschland, was gemeint war, wenn vom Volksparkstadion die Rede war. Selbst diejenigen, die dem HSV nicht so zugeneigt waren und hämisch vom „Stadion an der Müllverbrennungsanlage“ sprachen. Volkspark war ein Begriff.

Entsprechend groß waren Empörung und Proteste, als sich der HSV aus nachvollziehbaren finanziellen Gründen zum ersten Mal entschied, die Namensrechte an der Arena an einen Sponsor zu vergeben. Lange versuchten Anhänger und einige Medien, die neue AOL-Arena zu ignorieren, sprachen einfach weiter vom Volksparkstadion.

Aber dann war es irgendwie doch so, wie es mit fast allem ist, was verändert wird: Man gewöhnt sich daran. Und wahrscheinlich wäre der Begriff AOL-Arena heute tatsächlich halbwegs geläufig und etabliert – wenn, ja wenn das schmucke Stadion am Volkspark (!) denn immer noch so heißen würde. Aber leider hatte der HSV mit den Sponsoren überhaupt kein Glück. Erst zog sich AOL zurück, dann der Nachfolger, die HSH Nordbank, und nun möchte Imtech so schnell wie irgendmöglich aus seinem Sponsorenvertrag aussteigen und vom Stadiondach verschwinden.

Und die Hamburger sind in der unglücklichen Situation, den vierten Namensgeber für eine Arena finden zu müssen, die so viele einfach schon wieder Volksparkstadion nennen. Was verständlich ist, weil sich an der geografischen Lage selbst langfristig nichts ändern dürfte …

Der HSV steht spätestens jetzt vor einem Dilemma: Einerseits kann er es sich, auch wegen der hohen Erwartungen in der Hansestadt, nicht leisten, auf die Einnahmen aus der Vergabe des Stadionnamens zu verzichten. Andererseits wird es nach dem dritten Abgang in Folge und wegen der oben beschriebenen Konsequenzen schwierig, einen neuen Sponsor zu finden.

Da ist das Angebot von Klaus-Michael Kühne, leidenschaftlicher HSV-Fan und sowieso schon Investor des Vereins, der beinah größte anzunehmende Glücksfall. Die Verantwortlichen sollten nicht zögern und Kühne beim Wort nehmen. Denn was kann dem HSV, seinen Fans und auch allen Hamburgern Besseres passieren, als wenn es wirklich möglich wäre, den Namen Volksparkstadion an einen Sponsor zu verkaufen? Kühne kann sich genau das nach eigenen Angaben vorstellen, die finanziellen Möglichkeiten oder sonstigen Kontakte hätte er auf jeden Fall. Der Mann ist mehrfacher Milliardär und, obwohl in der Schweiz wohnend, Hamburg sehr zugeneigt. Zudem könnte der kaum für möglich gehaltene „Rückkauf“ des Volksparkstadions für eine Versöhnung zwischen Kühne und jenen HSV-Anhängern sorgen, denen sein Engagement für den Verein nicht geheuer war. Der Unternehmer hatte vor allem dafür gesorgt, dass Fußballstar Rafael van der Vaart nach Hamburg zurückkehren konnte.

Jetzt bleibt die Frage, ob und wie man in der Stadionfrage ins Geschäft kommt. Das Verhältnis zwischen der HSV-Führung und dem Unternehmen soll dem Vernehmen nach in Ordnung sein, Gespräche gab es sowieso immer mal wieder. Und zu groß ist der Zeitdruck aktuell auch nicht: Imtech würde zwar gern vor Vertragsende aussteigen, müsste im Zweifel aber bis 2016 Namenssponsor bleiben. Was aber nicht im Interesse des HSV sein kann, wenn sich jetzt die Chance ergibt, das von allen geliebte Volksparkstadion zurückzuerhalten – und gleichzeitig nicht auf Geld verzichten zu müssen.

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Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts