Meinung
Kommentar

Was er anfasst, wird zu Blech

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück braucht mehr Mut

Die SPD hat hervorragende Wahlkampfmanager, Spin-Doktoren und sonstige Einflüsterer des politischen Betriebs. Das hat die Partei auf Bundes- und Länderebene im vergangenen Jahrzehnt bewiesen. Einer ist sogar selbst Ministerpräsident geworden. Der Mann heißt Torsten Albig und regiert nun das Land zwischen den Meeren. Er diente einst dem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Und bei diesem Steinbrück wiederum wird alles, was er als Kanzlerkandidat der SPD anfasst, zu Blech.

Die besonnensten im Hintergrund wirkenden Sozialdemokraten haben sich zu respektablen Regierungschefs gemausert: Neben Albig waren das Olaf Scholz in Hamburg, Stephan Weil in Niedersachsen und Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz. Wie kann es sein, dass man von ihren Erfolgen nicht lernt? Dass Steinbrück mit dem Rauswurf seines Pressesprechers, mit dem Stückwerk seines Kompetenzteams derart hölzern daherkommt?

Sicher, es zählt der Inhalt, nicht die Verpackung. Noch immer kann der klare Norddeutsche binnen drei Monaten viele Unentschlossene auf seine Seite ziehen. Aber das Kampagnen-Management hat er verbockt. Und es drängt sich der Eindruck auf, als paare sich seine kompromissbereite Parteidisziplin unglückselig mit persönlichen Fehltritten. Viele Berufungen in sein Team gehen auf Proporzdenken zurück: Aus dem richtigen Landesverband, vom richtigen Flügel, vom passenden Geschlecht mussten Steinbrücks Kompetente sein. Das ist in anderen Parteien ähnlich. Doch wenn schon als Underdog gegen die populäre Angela Merkel antreten - dann darf es mehr Mut sein.

Jeder in Steinbrücks Team hat ein eigenes Profil. Doch für einen Bundestagswahlkampf, als "Schattenkabinett", taugt diese Runde nicht. Warum haben sich nicht weitere profilierte Länderminister zur Verfügung gestellt? Warum nicht Wirtschafts-, Energie-, und Sozialexperten, die mit Steinbrück etwas bewegen wollen? Es drängt sich der Eindruck auf, als hätten Steinbrücks Troika-Kollegen Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier ihren Kandidaten schon abgeschrieben.