Meinung
Leitartikel

Das unglücklichste Szenario

Foto: Marcelo Hernandez

Hamburger Kultur als Anhängsel einer anderen Behörde?

"Kulturschutzgebiet" steht auf dem Emailleschild, das die Hamburger Künstlerin Christine Ebeling ab morgen an ausgewählten Hamburger Orten anbringen will. Hoffentlich hat sie auch eine XXL-Variante vorrätig - eine, die man als Banner riesengroß und unübersehbar über der ganzen Stadt aufspannen kann, bevor der wahrscheinliche Bald-Bürgermeister Christoph Ahlhaus möglicherweise einen großen Fehler begeht und die Kulturbehörde nicht eigenständig und unabhängig belässt, sondern zum Beispiel der derzeitigen Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach als Zusatzaufgabe anbietet. Die Grünen wollen eine eigenständige Behörde. Ahlhaus sagt, die Kultur liege ihm am Herzen. Klingt gut. Muss nur noch mit Inhalt gefüllt werden. Umso wichtiger, dass die Kultur nicht als Appendix einer anderen Behörde gesehen wird. Ein Anhängsel, irgendwie da, (noch) nicht so ganz rausoperiert, aber auch nicht so rasend lebenswichtig?

Es war ja schon bislang eine eigenwillige Konstruktion, der noch bis zum 25. August amtierenden Kultursenatorin Karin von Welck nicht nur die Kultur zu überantworten, sondern auch die Medien, den Sport und sogar Hamburgs teuerste Baustelle, an der sich zuvor schon andere verhoben hatten. Jetzt also könnte die nächste Senatorin, die bislang nicht durch herausragendes politisches Geschick aufgefallen war, es also in der Kultur richten sollen. Mit einem "starken" Staatsrat an ihrer Seite - wobei man sich da fragt, warum der starke Staatsrat nicht gleich selbst Senator wird?

Wer auch immer jedoch von Christoph Ahlhaus am Ende präsentiert wird - das unglücklichste Szenario wäre eines, in dem die Kulturbehörde zwar noch so genannt würde, aber trotzdem ihre Eigenständigkeit aufgeben müsste. Wenn hier schon am Senatorenposten gespart würde - und faktisch wäre eben das bei einer vermeintlichen "Supersenatorin" der Fall -, wie soll die Kulturszene da auch nur einen Moment lang glauben, dass der Etat nicht als Nächstes eingedampft wird, dass sie überhaupt noch ernst genommen wird? Gerade jetzt, kurz vor den unvermeidlichen Spardiskussionen, braucht Hamburg jemanden, der (oder die) ebenso das Vertrauen der Szene genießt wie den Respekt und das Ansehen der Senatskollegen.

Alles andere wäre, gelinde gesagt, nicht nur inhaltlich kontraproduktiv, sondern auch eine politische Dummheit. Hamburgs Kulturszene hat sich schon beim Protest für das Gängeviertel und gegen die geplanten Etatkürzungen geschlossen und kämpferisch gezeigt. Sie würde das "Kulturschutzgebiet" Hamburg wohl kaum stillschweigend aufgeben.