Bundestagswahl 2021

"Klartext" – ein Format, wie gemacht für Olaf Scholz

Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider
Der SPD-Kanzlerkandidat im Wahlkampfendspurt: Olaf Scholz hat das Umfragenfeld von hinten aufgerollt. Doch viel davon kann er am 26. September in SPD-Stimmen übersetzen?

Der SPD-Kanzlerkandidat im Wahlkampfendspurt: Olaf Scholz hat das Umfragenfeld von hinten aufgerollt. Doch viel davon kann er am 26. September in SPD-Stimmen übersetzen?

Foto: Britta Pedersen / dpa

Bürger sind manchmal die besseren Fragesteller – und der SPD-Kanzlerkandidat war in seinem Element: Das merkte man am Dienstag im ZDF.

Hamburg. Wer am Dienstagabend "Klartext, Herr Scholz!" im ZDF gesehen hat, stellt sich zwei Fragen. Erstens: Wieso hat nicht Bettina Schausten das Triell moderiert, oder Marietta Slomka, die gleich im Anschluss durch das "heute-journal" führte?

Zweitens: Warum gibt es überhaupt noch Duelle beziehungsweise Trielle der Spitzenkandidaten? Die Diskussion mit Bürgerinnen und Bürgern war spannender und erhellender, als es Scholz‘ Auseinandersetzung mit Armin Laschet und Annalena Baerbock war, vielleicht auch, weil ihm dieses Format ganz besonders liegt.

Bundestagswahl: Scholz kennt das Klartext-Format aus Hamburg

Scholz hat sich schon in seiner Zeit als Hamburger Bürgermeister regelmäßig zu Diskussionen mit 50 bis 100 Wählerinnen und Wählern getroffen, er liebt diesen direkten Kontakt, und das merkt man auch jetzt im ZDF. Das hat im Vorfeld die richtigen Gesprächspartner für den Kandidaten ausgesucht, es gelingt, eine gute Mischung aus längeren und kürzeren Fragen hinzubekommen, Schausten und ihr Co-Moderator Peter Frey müssen nur selten eingreifen.

Wenn Sie das tun, schimmert der Unterschied durch, den es zwischen den Fragen der Bürger und denen der Berliner Politikblase gibt. Erstere interessieren sich wirklich für die großen Themen, letztere dann doch wieder für eher unwichtige Details, wie den Tweet eines Staatssekretärs.

Olaf Scholz und die Merkel-Raute – zum xten Mal

Schade und schwach, dass das wichtigste Thema diesen Jahres, der Klimaschutz, erst ganz am Ende und damit zu kurz kam. Und auch unglücklich, dass Peter Frey, wie so viele Journalisten vor ihm, Scholz auf sein Foto in der „Süddeutschen Zeitung“ ansprach, auf der dieser die Merkel-Raute zeigte.

Frey unterstellte Scholz, damit Merkel kopieren zu wollen, dabei müsste er wissen, dass Scholz die Raute nur gemacht hat, weil ihn der Reporter der SZ gefragt hat, was er von Merkel vermissen werde – und Scholz nicht mit Worten, sondern nur mit einer Geste antworten durfte.

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