Tanzshow

Eine Zirkusartistin bei „Let’s Dance“: Ist das noch gerecht?

Zirkusartistin und Verbiegungskünstlerin Lili Paul-Roncalli mit Massimo Sinató und ihr umjubelter Tango bei „Let’s Dance“.

Zirkusartistin und Verbiegungskünstlerin Lili Paul-Roncalli mit Massimo Sinató und ihr umjubelter Tango bei „Let’s Dance“.

Foto: Joshua Sammer / Getty Images

Super-Punktzahl von der „Let’s-Dance“-Jury für Lili Paul-Roncalli. Eine Artistin inmitten von Laien – das ist Wettbewerbsverzerrung!

Berlin. Ist Fernsehen noch gerecht? Eine Frau, die schon in der zweiten Sendung der neuen „Let’s Dance“-Staffel die Jury in Ekstase bringt – wo kommen wir denn dahin? Da stimmt doch was nicht. Lili Paul-Roncalli (22) zeigte gemeinsam mit RTL-Startänzer Massimo Sinató (39) einen Tango, den man eigentlich erst im Finale hätte erwarten können.

Statt zu fragen, wie das möglich ist, kommt hyperventiliertes Lob von der Jury. Nein, kein Neid. Es sei der jungen Frau gegönnt. Doch, Hand aufs Herz, ist das denn noch gerecht?

„Let’s Dance“: Lili Paul-Roncalli stammt aus der berühmten Roncalli-Familie

Lili Paul-Roncalli ist eigentlich außer Konkurrenz: Sie ist von Hause aus Artistin! Der Name sagt es schon: Sie stammt aus der berühmten Roncalli-Familie. Und, halt stopp: Sie ist nicht nur Artistin, allein, das würde ja schon hundert Mal reichen, um all die Ulrike von der Groebens in den Schatten zu stellen.

Aber sie ist auch noch Kontorsionsakrobatin! Was das schon wieder ist? Das ist die klassische Schlangenfrau. Und jetzt frag ich Sie: Wer hat Chancen gegen eine, die von Kindesbeinen an als Kontorsionsakrobatin im Zirkus Roncalli aufgetreten ist? Roncalli: Genau, das ist der berühmte Zirkus, den ihr Vater Bernhard Paul 1975 mit dem berühmten Wiener Künstler André Heller gegründet hatte.

Lili beherrscht als Schlangenfrau die Kunst des Verbiegens

Also, eine Kontorsionsakrobatin bei „Let’s Dance“. Im Lexikon ist nachzulesen, dass eine Kontorsionsakrobatin ihren Körper in Positionen verdreht oder verbiegt, die für den normalen Menschen nur unter Zuhilfenahme von Operationen möglich wären. Eine echte Zirkus-Nummer, bei der selbst die Frau ohne Unterleib blass dasteht. Und dann sieht diese Kontorsionsakrobatin, die Massimo Sinató wie ein Dompteur durch den Tango peitschte, auch noch traumhaft aus.

Das ist doch gelinde gesagt: Wettbewerbsverzerrung! Eine Schlangenfrau, die gegen Ilka Bessin, gut bekannt als „Cindy aus Marzahn“, antritt. Nichts gegen Lady Bessin, die sich beim Wiener Walzer von Tanz-Urgestein Erich Klamm ganz schön amüsiert übers Parkett hat schunkeln lassen. Das war sympathisch, ganz im Ernst.

Wie müssen sich Ilka Bessin, Steffi Jones und Sabrina Setlur nur fühlen?

Oder auch nichts gegen Steffi Jones, einstige Fußball-Nationalspielerin, die so sehr auf wuchtige Fernschüsse statt auf Wiegeschritt abonniert ist, dass sie nach der Sendung direkt duschen gehen konnte. Doch-doch-doch. Eigentlich haben sie sich ganz gut geschlagen. Doch angesichts einer Schlangenfrau schmiert ja selbst eine Rapperin wie Sabrina Setlur ab (bei der man sich – mit Verlaub – die Frage stellen muss, wie eine Musikerin so wenig Taktgefühl haben kann, dass ihr Tanzprofi sie einfach nur in die Luft warf, damit sie bloß nicht die Bühne mit den Füßen berührte.)

• Hintergrund: So war die zweite „Let’s Dance“-Sendung

Lili Paul-Roncalli macht den Schnitt kaputt

Hallo! Na und! Was soll es denn auch: Es geht ums Tanzenlernen. Da muss sich doch keiner schämen. Tja, eigentlich. Aber dank dieser Schlangenfrau standen sie ganz schön dumm da. Und da muss man doch mal – Show hin, Show her – fragen, ob das alles so okay ist. Die Tochter eines österreichischen Zirkusdirektors und der der italienischen Artistin Eliana Larible ist ein ganz anderes Kaliber. Für so eine ist ein Tango doch ein Spaziergang. Sie macht den Schnitt kaputt! Begeisterung hin oder her.

Nein, liebe Frau Bessin, Frau Jones, Frau Setlur – gerecht ist das nicht. In so einer Show sollte es doch so sein: Am Anfang kann man nichts. Und dann wird geübt, geübt, geübt. Und dann kann man was. Diese Show, die selbst ein privatfernsehscheues Volk guckt, weil es den Leistungs- mit dem Belohnungsgedanken verknüpft, diese Show verliert doch mit der Schlangenfrau an Glaubwürdigkeit. Oder nicht? Nun ja, bleiben Sie stark, liebe Frau Bessin & Co. Denn was im Leben ist schon gerecht?

„Let’s Dance“ – Mehr zur RTL-Show:

Mitte Februar startete die 13. „Let’s Dance“-Staffel. In der ersten Sendung zeigten die Stars und die Profitänzer verschiedenen Gruppentänze. Bereits im Vorfeld der Tanz-Show war die Teilnahme von Wendler-Freundin Laura Müller immer wieder Thema. Laura brauchte zum Start der Tanzshow Michael Wendler mit ins TV-Studio. Das Paar ist auch in der Doku-Soap „Laura & Der Wendler - Total verliebt in Amerika“ zu sehen.