Christian "Büdi" Blunck

Warum eine Hockeylegende als Fußball-Kommentator arbeitet

Christian "Büdi" Blunck (51) an seinem Arbeitsplatz im Studio Hamburg.

Christian "Büdi" Blunck (51) an seinem Arbeitsplatz im Studio Hamburg.

Foto: Andreas Laible / HA

1992 holte er Olympia-Gold, aktuell trainiert der Hamburger die HTHC-Damen. Doch im Hauptjob kommentiert Blunck fürs Bezahlfernsehen.

Hamburg. Der Sonntagmorgen naht bereits, als der Arbeitstag des Christian Blunck eine letzte dramatische Wendung nimmt. Gabriel Barbosa, von Inter Mailand an Flamengo Rio de Janeiro ausgeliehener Stürmer, hatte gerade eindrucksvoll unterstrichen, warum sie ihn in Südamerika „Gabigol“ nennen.

Mit zwei Toren („Gol“) innerhalb der letzten drei Spielminuten hatte der Brasilianer seinen Club im Endspiel der südamerikanischen Champions League gegen River Plate Buenos Aires zum 2:1-Sieg geschossen – und dem Traditionsverein damit nach 38 langen Jahren des Wartens endlich wieder die Copa Liberta­dores beschert.

Blunck kommentiert Spiel von Hamburg aus

Blunck sitzt, als Barbosa trifft, im vierten Stock von Haus N im Studio Hamburg an der Jenfelder Allee an einem drei Meter langen Tisch. Vor sich einen Breitbildschirm, Headset auf den Ohren und Mikrofon vorm Mund, auf dem Tisch eine Reihe an Zetteln mit Informationen über das, was er seinen Zuhörern nahebringen will.

Der 51-Jährige, in Hamburg seit seinem Olympiasieg 1992 als Hockeylegende bekannt, hatte als Kommentator des Pay-TV-Senders Sportdigital bis zur 89. Minute versucht, ein mäßiges Copa-Finale spannend zu reden. Als Barbosa trifft, ist das nicht mehr notwendig. „Solche Emotionen bietet nur der Sport“, sagt er in seiner Abmoderation, während Flamengos Spieler in Perus Hauptstadt Lima den Pokal stemmen. Eine Floskel ist das, aber sie stimmt auch an diesem Abend.

Büdi Blunck arbeitet auch für die ARD

Blunck, den alle nur „Büdi“ nennen, hat das als Olympiasieger selbst erlebt. Sein persönlicher Erfahrungsschatz ist einer der Gründe, dass er seit 2009 als Experte und Kommentator für Sportdigital arbeitet. Angefangen hatte er mit Livekommentaren zu Hockeyspielen, für die ARD war er 2016 bei Olympia in Rio und wird 2020 für das Erste auch aus Tokio berichten.

Aber Fußball ist seine zweite Leidenschaft, und das hört man, wenn er kommentiert. „Büdi hat eine tolle Art, Emotionen zu transportieren und die Kunden daran teilhaben zu lassen“, sagt Gisbert Wundram. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer des Spartensenders. 2007 startete er mit Liveberichten aus den Männer-Bundesligen im Handball, Volleyball und Basketball als reiner Internetstream.

Kooperationen mit Sky, DAZN und Sport 1

Heute hat Sportdigital rund 1,5 Millionen Kunden, ist über 20 verschiedene Plattformen wie Sky, Amazon oder Telekom zu empfangen, aber auch für einen Monatspreis von 5,99 Euro auf sportdigital.de einzeln abrufbar. Man kooperiert mit Sky, DAZN, Sport 1 und der Fußball-Informationsbörse transfermarkt.de. 20 feste und 20 freie Mitarbeiter, die seit Anfang des Jahres der frühere Hamburg-1-Sportchef Ulli Pingel als Chefredakteur führt, arbeiten daran, an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden Programm zu bieten.

Seit 2013 beschränkt man sich live auf Fußball, zehn Spiele pro Wochenende sind die Regel. Unter der Woche runden Dokumentationen und Nachrichtensendungen wie „Transfermarkt-TV“ das Angebot ab. Das Erfolgsrezept liegt darin, keine teuren Rechte aus den Top­ligen in England, Spanien, Italien oder Deutschland einzukaufen, sondern sich im zweiten Regal zu bedienen.

„Football around the world“ lautet das Motto, das man mit Wettbewerben aus 15 verschiedenen Ländern mit Leben erfüllt. Die niederländische Ehrendivision gibt es ebenso wie die portugiesische Primeira Liga oder die zweite englische Liga, aber auch die Meisterschaften aus China, Japan oder Australien.

Blunck hat sich ein Informanten-Netz aufgebaut

Informationen über Clubs und Spieler zu finden, ist nicht immer leicht. HSV-Fan Blunck, der sich vor acht Jahren vergeblich um einen Platz im Vorstand seines Herzensvereins bewarb, hat sich ein Netzwerk an Informanten aufgebaut, dazu liest er ausführlich auf einschlägigen Internetseiten.

„Ich finde es hoch spannend, mich mit exotischen Ligen auseinanderzusetzen. Und man findet ja auch in Ländern wie China, Japan und Australien eine Reihe an aus Deutschland bekannten Spielern“, sagt er. Für das Copa-Finale hat er Freunde und Kollegen in Argentinien und Brasilien angezapft. „Außerdem habe ich schon viele Ligaspiele aus Südamerika und auch das Copa-Halbfinale kommentiert. Deshalb bin ich gut im Film.“ Und er ist ja auch nicht allein.

Sportdigital verzichtet auf externe Experten

Auf Experten verzichtet Sportdigital zwar bewusst, „unsere acht Kommentatoren sind gleichzeitig Experten“, sagt Wundram. Aber für jede Sendung mit mehreren Livespielen steht ein Moderator zur Verfügung. Im Studio sorgen ein Produktionsleiter und drei technische Mitarbeiter für Kamera, Ton und die verschiedenen Streamingdienste für den reibungslosen Ablauf. „Es ist ein richtig cooles Team, in dem es unheimlich viel Spaß macht zu arbeiten“, sagt Blunck.

Als Moderator Nico Pommerenke die Zuschauer in die Nacht entlassen hat, steht der erschöpfte Kommentator im Studio. „Das Spiel war schlecht, das Ende umso geiler“, sagt er – und nimmt Valentina Bisconti fest in den Arm. Die Argentinierin, die er als Chefcoach der Hockeydamen des Harvestehuder THC im Nebenjob trainiert, ist glühender River-Fan und hatte das Spiel auf Bluncks Einladung hin im Studio verfolgt. Nun braucht sie Trost, und weil Christian Blunck von Emotionen viel versteht, meistert er auch diese Aufgabe souverän.