Studio Hamburg

Traum-Abend für Milena Tscharntke – Spitze von Bjarne Mädel

Michael Lehmann (l.), Pinar Atalay und Johannes Züll  im Thalia Theater.

Michael Lehmann (l.), Pinar Atalay und Johannes Züll im Thalia Theater.

Foto: Roland Magunia

Hanseatische Mini-Oscars für "Bester Kurzfilm" und "Beste Darstellerin" gehen an Hamburger. Mädel stellt die Veranstaltung infrage.

Hamburg. Man kann nicht behaupten, dass der Nachwuchspreis von Studio Hamburg an alten Zöpfen hängt. Bei der 22. Ausgabe des hanseatischen Mini-Oscars für Nachwuchskräfte aus Film und Fernsehen gönnte sich die Veranstaltung nicht nur ein neues Logo. Auch die Bühnenpräsentation wurde umgemodelt. Mit den Radiomoderatoren An­dreas Kuhlage und Jens Hardeland bekam „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis, die durch die Gala im Thalia Theater führte, erstmals zwei Sidekicks zur Seite gestellt.

Die beiden Hörfunk-Männer saßen – wie einst Walldorf und Statler in der „Muppet Show“ – in einer der Theaterlogen. Studio-Hamburg-Chef Johannes Züll hielt keine Rede, sondern wurde von Zervakis befragt. Die Gala sollte jünger und frischer als bisher rüberkommen. Das gelang. Auch wenn Züll sich selbst nicht zu sehr verjüngen lassen wollte. „Man wollte mich in Sneakers stecken“, sagte der Studio-Hamburg-Chef. „Ich habe mich geweigert.“

Bjarne Mädel stellt Veranstaltung infrage

Getoppt wurde Zülls Auftritt nur von Laudator Bjarne Mädel („Tatortreiniger“), der mit Verweis auf andere Branchen die Veranstaltung mal eben komplett infrage stellte: „Eine junge Fleischfachverkäuferin wird auch nicht dafür geehrt, wenn sie besonders gut ein Stück Fleisch einwickeln kann“, sagte er trocken. Zwei Preise gingen an Hamburger: Als „Beste Darstellerin“ wurde Milena Tscharntke für ihre Rolle als Isy in dem Familiendrama „Alles Isy“ geehrt.

Die 23-Jährige, die ursprünglich aus Sasel kommt, ist die Tochter der Schauspielerin Andrea Lüdke („Großstadtrevier“, „Rote Rosen“). Die Jury lobte Tscharntkes „außergewöhnliche Präsenz“. Als Isy sei es ihr gelungen, „die Schwelle zum Erwachsenwerden herausragend einzufangen“. Sie habe „bedeutendes Potenzial“ und sei „die Frau der Stunde“.

Unterhaltung und Emotionen

Den Preis für den „Besten Kurzfilm“ erhielten für „Kippa“ der Regisseur und Drehbuchschreiber Lukas Nathrath und die Produzentin Henriette Ahrens, die beide an der Hamburg Media School ausgebildet wurden. In dem nach einer wahren Geschichte gedrehten Streifen geht es um Antisemitismus. Bei der Produktion handele es sich um einen „ausgezeichnet besetzten und gespielten Film zum Nachdenken“, fand die Jury.

Für Ahrens hatte sich die Teilnahme an dem Wettbewerb schon vor der Preisverleihung gelohnt. Durch ihre Nominierung wurde Michael Lehmann, Chef der Studio Hamburg Production Group auf die Produzentin und ihre Entertainment Plattform Distriqt aufmerksam. Dort bietet sie im Netz gemeinsam mit ihrer Partnerin Charlotte Richter-Kiewning kurze Filme für junge Frauen an. Es geht um Unterhaltung, Emotionen, gesellschaftliche Veränderung und Wissensvermittlung. Das Konzept gefiel dem Studio-Hamburg-Manager so gut, dass er nun eine Kooperation mit der Plattform auslotet. Gerade erst hat er sich deshalb mit Ahlers in Cannes getroffen.

Bemerkenswerter Moment

Den bewegendsten Auftritt hatte Beryl Magoko. Ihr Film „In Search“, in dem sie sich mit ihrer eigenen Genitalverstümmelung befasst, die sie im Alter von zehn Jahren erlitt, wurde als „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet. Zunächst war die Regisseurin sprachlos. Dann hielt sie eine berührende Rede.

Und es gab noch einen bemerkenswerten Moment. Viviane Andereggen, die den zu Ehren von Jürgen Roland ausgelobten „Hamburger Krimipreis“ gewann, sagte sie sei in einem Zwiespalt. Ihr Großvater habe in einem KZ gesessen. Roland diente als junger Mann in einer Propagandakompanie der Waffen SS. Deshalb spende sie das Preisgeld der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.