Hamburg

Moritz Bleibtreu dreht seinen ersten Film – in Hamburg

Entspanntes Trio während der Drehpause: Moritz Bleibtreu, Nadja Uhl und Jannis Niewöhner (v. l.)

Entspanntes Trio während der Drehpause: Moritz Bleibtreu, Nadja Uhl und Jannis Niewöhner (v. l.)

Foto: Roland Magunia / HA

Der bekannte Schauspieler arbeitet gerade zum ersten Mal als Regisseur und Drehbuchautor. Ein Setbesuch.

Hamburg.  Moritz Bleibtreu denkt schon lange darüber nach, mal einen Film selbst zu inszenieren. Die Frage danach war in Interviews fast schon zu einem Running Gag geworden. Mal hatte er keine Geschichte, dann wieder hatte er einen Produzenten an der Angel und wurde ihn wieder los. Als wir uns vor drei Jahren bei den Dreharbeiten zu „Nur Gott kann mich richten“ von Özgür Yildirim trafen, den Bleibtreu auch mit produziert hat, sagte er: „Diesmal bin ich so dicht dran wie noch nie.“ Er hat Wort gehalten. Seit dem 26. Februar laufen die Dreharbeiten zu seinem ersten Psychothriller „Cortex“ in Hamburg.

Der Film erzählt von Hagen (Bleibtreu), einem Mann, den schlimme Albträume plagen. Sie werden schließlich so intensiv, dass er nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden kann. Das wirkt sich auch auf seine Ehefrau Karoline (Nadja Uhl) aus. Sie beginnt ein Verhältnis mit dem Kleinkriminellen Niko (Jannis Niewöhner) und setzt mit ihrem Verhalten eine unheilvolle Spirale in Gang.

„Es läuft richtig gut“, sagt Neu-Regisseur Bleibtreu

Jannis Niewöhner liegt am Mittwochabend voll angezogen auf dem Bett in einer heruntergekommenen Altbauwohnung in der Nähe des Brahms-Kontors. Die Kamera blickt aus dem Fenster. Unten geht ein Mann vorbei, und die Kamera schwenkt auf den rauchenden Niewöhner, bis der sich erhebt. „Danke!“, ruft Bleibtreu von irgendwo aus den hintern Räumen. Der Regisseur bleibt zunächst noch unsichtbar, aber sein Schauspieler stöhnt: „Ich bin zwar Raucher, aber spätestens nach der zweiten oder dritten Zigarette wird mir schlecht. Und der Typ raucht so intensiv.“ Über der Tür zum Zimmer steht in verblassten Buchstaben: „Rauchen verboten“.

„Es läuft richtig gut“, erzählt Bleibtreu, in einer Drehpause. Der Reinbeker hat auch das Drehbuch geschrieben. „Es war mein erster richtiger Versuch. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft weiter schreiben werde.“ Er selbst spielt die Hauptrolle, obwohl ursprünglich ein anderer Schauspieler dafür vorgesehen war. „Aber ich hatte Zeit, und ich war billig“, flachst er. Am Dienstag hatte das Team noch im Alten Elbtunnel gedreht.

Schauspieler will Bleibtreu auf jeden Fall bleiben

Durch seine lange Erfahrung im Filmgeschäft ist er bestens mit den Abläufen vertraut. „Man muss mit den Schauspielern gar nicht so viel machen. Nur für gute Stimmung sollte man am Set sorgen, und die ist hier gut.“ Den Filmtitel erklärt er so: „Der Cortex ist die Großhirnrinde, die Region, die auch für unsere Träume wichtig ist.“

Wenn er, anders als am Mittwoch, selbst spielt, übernimmt Kameramann Thomas W. Kiennast („3 Tage in Quiberon“) teilweise seine Aufgaben. „Thomas ist einer der besten Kameraleute der Welt“, lobt der Hauptdarsteller, der seinen Beruf wegen der Regiearbeit keineswegs an den Nagel hängen will.

„Moritz macht seine Arbeit wunderbar“, lobt der Produzent

Er hat den Film „Roads“ mit Sebastian Schipper abgedreht und spielt bald in Oskar Roehlers „Fassbinder“. „Moritz macht seine Arbeit wunderbar“, lobt Produzent Jan Krüger. „Man hat das Gefühl, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht.“ „Ich bin schon seit Ewigkeiten mit Moritz befreundet. Wir hatten diesen Jugendtraum, irgendwann mal zusammen einen Film zu machen. Jetzt war die Zeit reif, und die Sterne standen gut“, sagt der Hamburger Produzent Emek Kavukcuoglu.

„Ich habe mit ihm ,Die dunkle Seite des Mondes‘ gemacht“, sagt Berger. „Dabei habe ich schon gemerkt, dass er mehr will und kann. Ich habe gewusst, dass er etwas schreibt und habe mich dann sehr gefreut, als er mich gefragt hat, ob ich es mal lesen will. Schon die frühe Fassung, die ich damals bekam, war ein Pageturner.“

Im Herbst 2020 soll der Film in die Kinos kommen

Krüger berichtet, dass er auch schon mit Regisseuren gearbeitet habe, die leider nicht so genau wussten, was sie eigentlich wollten. Und was macht man dann als Produzent? „Dann kann man nur hoffen, dass die anderen Gewerke funktionieren, insbesondere die Schauspieler.“ Diese Dreharbeiten, so beide Produzenten, seien sehr aufwändig, es gebe viele Motivwechsel.

Gedreht wird noch bis Mitte April auch in Berlin. Nach dem Ende der Dreharbeiten soll die Postproduktion bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. In weiteren Rollen sind Marc Hosemann, Anna Bederke und Nicholas Ofczarek zu sehen. Als Kinostart ist bisher der Herbst 2020 vorgesehen. Vorher dürfte noch das eine oder andere Festival Begehrlichkeiten anmelden.