ZDF-Reihe

„37-Grad“-Doku begleitet Menschen ins Rentnerleben

Viele Jahrzehnte war Hans-Werner Broderius Besitzer eines Restaurants an der Schlei. Die Gaststätte musste er schweren Herzens verkaufen: aus Altersgründen – und weil sein Sohn andere Lebenspläne hatte.

Viele Jahrzehnte war Hans-Werner Broderius Besitzer eines Restaurants an der Schlei. Die Gaststätte musste er schweren Herzens verkaufen: aus Altersgründen – und weil sein Sohn andere Lebenspläne hatte.

Foto: Thomas Buchholz / ZDF und Thomas Buchholz

Die ZDF-Reihe „37-Grad“ begleitet Menschen bei ihrem Übergang ins Rentnerleben. Dabei bekommt der Zuschauer viele intensive Einblicke.

Berlin.  Früher oder später kommt der Tag, an dem der Schreibtisch geräumt und die Schlüsselkarte für die Pforte abgegeben werden muss: Der letzte Tag im Betrieb. Es ist eine Zäsur im Leben von den meisten von uns – verbunden mit tausend Fragen, tausend Ängsten.

Wie ruhig wird der Ruhestand? Was macht man mit der ganzen Zeit, und was mit der Furcht, nicht mehr gefragt, gebraucht zu werden? Kann man sich darauf vorbereiten? Oder kommt es nicht doch anders, als man denkt?

Der Abschied vom Arbeitsleben, wie die „37 Grad“-Dokumentation im Untertitel heißt, ist jedenfalls ein ideales Thema für das Format, das sich ganz dem Menschen verschrieben hat. In dieser wichtigen Übergangsphase hat Filmemacher Frank Eggert drei Betroffene mehr als ein halbes Jahr lang mit der Kamera begleitet.

Neben rührenden Momenten des Abschieds und intensiven Einblicken in die Gefühlslage der neuen Rentner, kommen auch Kollegen und Familienangehörige zu Wort.

Straßenmusik statt Musikunterricht

Es ist ein Film, der Mut macht, aber auch zeigt, dass jeder individuell seinen Weg ins Rentner-Dasein finden muss. Die drei sorgsam ausgewählten Personen stehen für sehr unterschiedliche Arbeitswelten, und für drei ungebrochene, glückliche Berufskarrieren: Allen drei hat ihr Arbeitsleben immens Spaß gemacht.

Dieter Driller van Loo zum Beispiel war die letzten zehn Jahre Schuldirektor in Hemmingen, nahe Hannover, und 40 Jahre lang Musiklehrer aus Leidenschaft. Obwohl er sich auf „endlich mehr Zeit“ für Familie und Hobbies freut, muss der „coole Rock’n’Roller“ an seinem letzten Tag doch heftig schlucken, als sich seine Schüler mit einem dreistündigen Konzert von ihm verabschieden. Wird ihm dieser Zuspruch nicht fehlen, wenn er demnächst – wie erträumt – in einem alten Bully durch die Lande fährt und Straßenmusik macht?

Zukunft ohne geliebtes Restaurant an der Schlei

Die gebürtige Dresdnerin Tamara Preiß, „zuverlässig bis zum Schluss“, hat sich ihr Leben lang sowieso immer wieder neu erfunden: In der DDR lernte sie erst Maßschneiderin, dann fuhr sie mehrere Jahre mit der Handelsmarine zur See.

Vor 23 Jahren zog die alleinerziehende Mutter dann nach Baden-Württemberg, um in einem schwäbischen Industriebetrieb als Technikerin zu arbeiten. Am Ende ihres bewegten Berufslebens möchte sie es ruhiger angehen lassen. Sie macht Sport, um möglichst lange fit zu bleiben.

Das norddeutsche Gastwirtspaar Annemarie und Hans-Werner Broderius weiß dagegen noch nicht genau, was ihre Zukunft ohne das geliebte Restaurant an der Schlei, das sie Jahrzehnte lang betrieben, bringen soll. Schweren Herzens haben sie die „Schleiperle“ aus Altersgründen verkauft.

Und versuchen nun, den wesentlich weniger stressigen Alltag zu genießen – am liebsten auf ihrem schmucken Boot, das genauso heißt, wie das ehemalige Restaurant.

Fazit: Ruhige und angenehm undramatische Dokumentation, die intensive Einblicke ermöglicht, wie der Übergang ins Rentenalter gelingen kann.

Dienstag, 5. Februar, 22.15 Uhr, ZDF: „37 Grad“