ARD-Krimi

„Usedom-Krimi“: Abschied von Kommissarin Julia Thiel

Ellen Norgaard (Rikke Lylloff) will Ronny Reetz (Hans Brückner) zum aktuellen Fall befragen.

Ellen Norgaard (Rikke Lylloff) will Ronny Reetz (Hans Brückner) zum aktuellen Fall befragen.

Foto: NDR/ARD-Degeto/Oliver Feist

Die Verbrecherjagd auf Usedom geht weiter – jedoch mit neuer Besetzung. Lisa Maria Potthoff verlässt die Reihe, Rikke Lylloff kommt.

Essen.  Von Anfang an hat die „Usedom“-Reihe eine Sonderstellung in der Fernseh-Krimilandschaft eingenommen. Viermal gingen Katrin Sass und Lisa Maria Potthoff als Mutter-Tochter-Gespann auf Verbrecherjagd, und jedes Mal war „Verbrecherjagd“ eine entschieden zu einseitige Bezeichnung.

Für das bewährte Autorentrio Scarlett Kleint, Michael Vershinin und Alfred Roesler-Kleint ist eine dichte, quälend ruhige Atmosphäre spannender als jede Action; vor allem ist die Reihe ungleich geheimnisvoller als viele andere Krimis.

Auch der fünfte Fall – „Winterlicht“ – verbindet eine intelligente, bis ins Detail stimmige Milieustudie mit einem vielschichtigen Kriminalfall, hinter dem sich beklemmende menschliche Dramen verbergen.

Lisa Maria Potthoff geht, Rikke Lylloff kommt

Julia Thiel (letzter Einsatz für Lisa Maria Potthoff) observiert eine einsame Waldhütte, wird entdeckt, flieht, stürzt eine Uferböschung hinab. Die Dänin Ellen Norgaard (Rikke Lylloff) geht im so beschaulichen wie überschaubaren Usedom auf Wohnungssuche, weil sie die Kripo-Stelle der suspendierten Julia übernehmen soll.

Deren Mann (Peter Schneider) versucht vergeblich, seine Frau in ihrem angeblichen Wellness-Urlaub zu erreichen. Julias Mutter, die ehemalige Staatsanwältin Karin Lossow (Katrin Sass), versorgt ihren Wisent-Hof und weigert sich, ein Zimmer an Ellen zu vermieten.

Viel psychologisches Feingefühl

Buch und Regie (Uwe Janson) nehmen sich ganz viel Zeit, Personen und Situationen mit psychologischem Feingefühl einzuführen, kleine Episoden und Konstellationen zu entwickeln, ohne diese auch nur andeutungsweise aufzulösen.

Was ist los mit dem Präsidenten (Hans Brückner) des örtlichen Biker-Clubs – dieser Ronny legt nicht nur ein ausgeprägtes Öko-Bewusstsein an den Tag, sondern lässt die Club-Geschäfte sogar von einem peniblen Steuerberater regeln.

Mit jeder Szene steigt die Spannung, weil nichts dem Zuschauer verrät, wie alles zusammenhängt, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt.

Selbst dann nicht, wenn irgendwann die Leiche eines vermissten Club-Mitglieds antreibt, wenn die Partnerschaft der Usedomer Rocker mit einer polnischen Gang ins Blickfeld rücken, wenn Gewalt gegen Frauen ins Spiel kommt. Und über allem steht die Frage: Wie geht es Julia?

Katrin Sass sticht besonders heraus

Der neue Usedom-Krimi steht in bester Tradition und unterscheidet sich zugleich deutlich von den vorangegangenen Filmen. Nicht, weil der Handlungsschwerpunkt diesmal stark auf der polnischen Seite liegt. Sondern weil „Winterlicht“, trotz der exzellenten Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle, letztlich zum Solo für eine große Schauspielerin wird.

Es ist die wunderbare , die als schroffe, von den Erfahrungen und Widrigkeiten ihres Lebens gezeichnete Ex-Staatsanwältin fast im Alleingang die Suche nach ihrer Tochter und damit die hochdramatische Auflösung vorantreibt. Ohne zu viel zu verraten: Auf Usedom wird künftig nichts mehr sein, wie es einmal war.

Fazit: Beklemmender Psycho-Thriller, in dem einmal mehr die große Katrin Sass glänzt.

• Der „Usedom-Krimi“ läuft am 31. Januar um 20.15 Uhr in der ARD.