Musiksender

Die Party ist vorbei – Viva wird zum Jahresende abgeschaltet

Die Viva-Moderatoren Nils Bokelberg (von links), Mola Adebisi, Heike Makatsch und Phil Daub in den Anfangstagen des Senders. Die größte Karriere des Quartetts machte Makatsch, die heute eine renommierte Schauspielerin ist.

Die Viva-Moderatoren Nils Bokelberg (von links), Mola Adebisi, Heike Makatsch und Phil Daub in den Anfangstagen des Senders. Die größte Karriere des Quartetts machte Makatsch, die heute eine renommierte Schauspielerin ist.

Foto: PARC / PublicAd

Der Musiksender Viva, der Talente wie Stefan Raab hervorbrachte, wird am Samstag 25 Jahre alt. Am 31. Dezember wird er abgeschaltet.

Hamburg.  Der Titel war Programm. Als Viva am 1. Dezember 1993 auf Sendung ging, wurde als erstes Video „Zu geil für diese Welt“ von den Fantastischen Vier gespielt. Und genau das war die Videoabspielstation zumindest in den 1990er-Jahren auch: Kaum ein anderer deutscher TV-Sender hat innerhalb kürzester Zeit so viele Talente hervorgebracht wie Viva.

Ob Stefan Raab, Heike Makatsch, Charlotte Roche, Matthias Opdenhövel, Oliver Pocher, Mola Adebisi, Tobias Schlegl, Sarah Kuttner oder Enie van de Meiklokjes – sie alle begannen ihre Karriere bei dem Musiksender.

Opfer des digitalen Siegeszugs

Zur Geschichte von Viva gehört aber auch, dass der TV-Kanal zu einer denkbar ungünstigen Zeit das Licht der Welt erblickte. Nur wenige Tage vor Sendestart, am 10. November 1993, war mit Mosaic der erste massentaugliche Webbrowser auf den Markt gekommen. Der Siegeszug des Internets begann. Eines seiner ersten Opfer waren Videoclipsender ohne Digitalstrategie – wie eben Viva.

Im Prinzip hätte man den Kanal schon 2005 vom Sender nehmen können. Damals wurde er an den US-Konzern Viacom verkauft. Die Amerikaner schleppten ihn noch ein paar Jahre durch. Am Samstag wird Viva 25 Jahre alt. Es ist der letzte Geburtstag des Senders. Ein paar Tage später, am 31. Dezember, wird er abgeschaltet.

Stefan Raab schrammelte auf der Ukulele

Das alles war Anfang der 90er-Jahre nicht abzusehen. Im Gegenteil: MTV hatte es geschafft, sein Programm komplett mit Musikvideos zu füllen, im Prinzip also mit Clips, die in erster Linie Musikverkäufe ankurbeln sollen. Das Geschäft wollte die Musikindustrie nicht anderen überlassen. Auch deshalb gründeten die Plattenkonzerne Universal Music, Warner Music und Sony Music 1993 Viva. Der Name steht übrigens offiziell für Videoverwertungsanstalt.

Alles andere als prosaisch war das Programm. Christoph Post, der erste Programmdirektor, ließ seine unbekannten Moderatoren improvisieren: Stefan Raab schrammelte auf der Ukulele. Heike Makatsch gab das kokette Girlie. Und Charlotte Roche brachte den Zuschauern mit deutsch-englischer Nonchalance allerlei Independent-Bands näher. Das kam an. Schon bald hatte Viva MTV überholt.

2000 ging Viva an die Börse – doch das endete nicht gut

Irgendwann schien alles möglich. Viva erhielt mit Viva Zwei einen weiteren Kanal. Auch im Ausland entstanden Ableger. Die erfolgreiche Produktionsfirma Brainpool („Schlag den Star“, „Ladykracher“) wurde übernommen. Es gab Pläne für Radiostationen. Im Juli 2000 führte Viva-Chef Dieter Gorny den Sender an die Börse. Mit dem Erlös sollte auch ein Internetkonzept umgesetzt werden.

Doch dafür war es längst zu spät. Die New Economy war zusammengebrochen, die Kurse fielen ins Bodenlose. Die Party war vorbei. Viva versuchte noch, seinen Zweitsender als „CNN der Musik“ zu positionieren – und scheiterte kläglich. Die MTV-Mutter Viacom kehrte die Reste zusammen.

Der Deal wurde im Januar 2005 wirksam. Am 15. Februar desselben Jahres wurde Youtube gegründet. Videoclips schauen jüngere Zielgruppen seither auf dem Online-Portal. Und selbst der alte Viva-Held Smudo von den Fantastischen Vier sagt heute: „Ich wusste gar nicht, dass es Viva noch gibt.“