ARD-Film

„Endlich Gardasee!“ plätschert gefällig vor sich hin

Endlich eine Frisur wie die Filmdiva Sophia Loren: Friseurin (Marie-Theresa Lohr, l.), Eva (Julia Nachtmann, r.) und Oma Lotti (Cornelia Froboess) in einem Meraner Salon.

Endlich eine Frisur wie die Filmdiva Sophia Loren: Friseurin (Marie-Theresa Lohr, l.), Eva (Julia Nachtmann, r.) und Oma Lotti (Cornelia Froboess) in einem Meraner Salon.

Foto: ARD / Degeto

Die TV-Adaption von Sabine Heinrichs Roman „Sehnsucht ist ein Notfall“ hat gute Momente. Leider fehlen die Untiefen der Buchvorlage.

Essen.  Heinz nervt, der alte Amateurfunker. Ständig piept es im Wohnzimmer, weil er auf seine sehr altmodische und ihm nie langweilig werdende Art Kontakt mit der Welt aufnimmt. Was er nicht ahnt: Seine Frau Lotti (Cornelia Fro­boess) hat nach fast einem ganzen gemein­samen Leben die Faxen dicke. Heimlich hat sie eine Wohnung gemietet. Für sich allein. Sie will es noch mal wissen. Dass sie damit auch das Leben ihrer Enkelin durcheinanderbringt, bekommt sie erst später mit.

Zutiefst menschlich, diese Ausgangslage in „Endlich Gardasee!“. Der tote Punkt in einer Langzeitbeziehung: Weitermachen? Oder doch gehen? Und was will ich überhaupt vom Leben? Ist es vielleicht schon zu spät, es mir zu holen? Das sind ernste Fragen, aber dieser Film von Sophia Krapoth (Buch) und Ulrike Grote (Regie) gibt sich vorwiegend heiter. Die Untiefen der Romanvorlage „Sehnsucht ist ein Notfall“ von Sabine Heinrich sind verschwunden.

Der arme Mann kann noch nicht mal die Spülmaschine bedienen

Ein Teil der Fernsehheiterkeit geht auf Kosten des armen Heinz (Willem Menne): Er hat nicht nur seinen Funkertick, er kann auch noch nicht mal die Spülmaschine einräumen. Vom Kochen gar nicht erst zu reden. Sogar die Fische hat immer nur die Oma gefüttert. Der Witz vom hilflosen Senior, so witzig ist er eigentlich nicht. Vor allem aber wirkt der Mann höchstens ein bisschen festgefahren, dabei aber liebenswert.

Das Romanmotiv einer lieblosen Vernunftehe, die einst geschlossen werden „musste“ wegen einer ungeplanten Schwangerschaft – es fehlt. Verlassen wird der Mann nun hier wie dort – und Enkeltochter Eva (Julia Nachtmann) begleitet Omi bei ihrer Reise in die Freiheit. Passt gut: Sie zweifelt selbst gerade am Sinn ihrer Beziehung mit Langzeitfreund Hannes (Bernhard Piesk).

Eva und Omi fahren also über Umwege nach Italien und reden dabei über Männer. Trinken Eierlikör. Während Heinz sich beim Gemüsehändler erklären lässt, wie man eine Zwiebel schneidet. Richtig berührend wird die Geschichte nicht, sie plätschert gefällig vor sich hin.

Geschichte von Stagnation und Neuanfang in Italien

Denn der einzige, der ernsthaft zum Mitfühlen einlädt, ist Evas zurückgelassener Freund Hannes – in seinem Unglück scheint er wie aus einem anderen Film zu kommen. Wieso um alles in der Welt hadert Eva so mit ihm? Das kann er ebenso wenig nachvollziehen wie die Zuschauer. Dafür ist er – ebenso wie Opa Heinz übrigens – einfach zu sympathisch gezeichnet.

So oder so: Eine Geschichte von Stagnation und Neuanfang in Italien zu erzählen, ist eine gute Idee. Und wenn Cornelia „Zwei kleine Italiener“ Froboess als Lotti durch die Gassen schlendert und mit Jahrzehnten Verspätung endlich ihre Italienliebe ausleben darf, hat das seinen eigenen Charme. Vor allem mit Sophia-Loren-Frisur, teuer erkauft in einem nostalgischen Friseursalon. Die beiden deutsch-italienischen Szenen mit der Friseurin (Marie-Theresa Lohr) sind fast die besten.

Fazit: Konflikte zu wenig nachvollziehbar, zu sehr auf heiter gemacht, aber mit guten Momenten. Und mit Cornelia Froboess!

• ARD, Samstag, 13. Oktober, 20.15 Uhr