TV-Drama

Jan Josef Liefers lässt Skandal um Gustl Mollath aufleben

Sein Vertrauen in den Rechtsstaat ist erschüttert: Sebastian Kronach (Jan Josef Liefers, re.) wird nach siebeneinhalb Jahren aus der Haft entlassen.

Sein Vertrauen in den Rechtsstaat ist erschüttert: Sebastian Kronach (Jan Josef Liefers, re.) wird nach siebeneinhalb Jahren aus der Haft entlassen.

Foto: JŸrgen Olczyk / © Jürgen Olczyk

Das Justizdrama „Gefangen – Der Fall K.“ verarbeitet den Skandal des Gustl Mollath. Jan Josef Liefers ist dabei eine Idealbesetzung.

Essen.  Der Gatte lenkt das Porsche-Cabrio durch die sonnige Alpenwelt. „Du bist mein King, ich liebe dich“, ruft die glückliche Ehefrau in das Panorama der sie umgebenden Berge. Es ist ein Bild voller Glückseligkeit, das Elke (Julia Koschitz) und Wastl Kronach (Jan Josef Liefers) hier abgeben.

Aber da gerade im größten Glück die Tragik lauern kann, ist das innige Verhältnis des Paares schon bald nur noch Makulatur: Sie hat als Vermögensberaterin plötzlich Spaß am süßen Leben gefunden und stellt die Legalität dabei hintenan. Er dagegen, der unbequeme Automechaniker, mag diesem kriminellen Tun nicht länger zusehen. Weshalb er sich alsbald schon in den Mühlen der Psychiatrie wiederfindet. Verkehrte Welt, irgendwie.

In „Gefangen – Der Fall K.“ greift Regisseur Hans Steinbichler den realen Fall des Gustl Mollath auf, der ab 2011 hohe Wellen schlug. Denn sieben Jahre wurde dieser Mann zu Unrecht in psychiatrischen Anstalten festgehalten, bis, auch auf Druck der Presse, die „paranoide Problematik“ des Probanden erstmals infrage gestellt wurde. Sein skandalöser Fall war damals ein Beweis dafür, wie schnell Menschen in Anstalten eingewiesen werden können, weil sie von der Norm abweichen oder denunziert werden.

Film zeigt vor allem die Sicht des Opfers

Mit Jan Josef Liefers in der nur leicht veränderten Rolle des eigenwilligen Wastl Kronach legt der Regisseur die Karten gleich auf den Tisch. Dies soll zweifellos ein Film aus Sicht des Opfers sein, der hier bereits zu Beginn als Erzähler seines Schicksals auftreten darf. Man hätte sich auch kritischere Töne vorstellen können. Etwa die Frage nach dem Wesen eines Ehemanns, der irgendwann anfängt, seine Frau systematisch zu bespitzeln, um sie hernach zu denunzieren.

Julia Koschitz als Elke hat keine Chance zu glänzen. Der Regie genügt eine Draufsicht auf diese Frau, die sich hier seltsam schnell und nahtlos von der liebenden Gattin zum geldgierigen Luder wandelt. Es bleibt Liefers vorbehalten, diesen Film zu tragen.

Er versteht es meisterhaft, einen Menschen in völliger Ohnmacht zu zeigen, der sich trotzdem immer wieder gegen sein Schicksal aufzulehnen versucht. Und wenn es nur durch die störrische Verweigerung einer Untersuchung ist oder der Unterschrift auf einem Blatt Papier.

Jan Josef Liefers ist die Idealbesetzung für den Film

Für seinen Widerstand gegen Ärzte, die offensichtlich nur untereinander abschreiben, nimmt er auch die zeitweise völlige Isolierung in Kauf. Wenn dann schließlich doch noch jemand auftaucht, der sich seines Falles annehmen möchte, bricht er nicht in Freudentränen aus, sondern sieht darin nur endlich die Rückkehr des Rechtsstaats.

Am Ende darf der Mann, dem man so übel mitgespielt hat, eine Abschiedsrede in die Kamera halten, die emotional eigentlich wunderbar funktionieren würde. Wenn der Regisseur nicht auf den Gedanken verfallen wäre, die Worte mit einer Piano-Version von „Über sieben Brücken musst du gehen“ zu unterlegen. Das ist deutlich zu viel des Guten.

Fazit: Jan Josef Liefers erweist sich als ideale Besetzung. Allerdings lässt der Film für andere Figuren kaum Raum.

• Montag, 10. September, 20.15 Uhr, ZDF

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