ZDF-Drama

„Tod auf Raten“ ist besser als der Sendeplatz vermuten lässt

Foto: Jan Fehse / dpa

Im ZDF-Drama „Tod auf Raten“ leidet Veronica Ferres an der Seite eines Ex-Boxers ohne Kurzzeitgedächtnis. Aufreibend und stark besetzt.

Essen.  Die Sender spulen im Sommer nur Wiederholungen ab – so das Vorurteil. Dabei muss man nur mal einen Blick auf die Spätschiene werfen, und schon entdeckt man Dokumentarfilme oder internationale Kino-Erstausstrahlungen.

Und gelegentlich sind darunter Perlen wie der Spielfilm „Tod auf Raten“, prominent besetzt mit Oliver Stokowski und Veronica Ferres, bei dem man sich wundert, dass das ZDF ihn im Nachtprogramm versteckt. Vielleicht liegt es daran, dass Andreas Arnstedts Film (nach eigenem Drehbuch) ursprünglich fürs Kino gedacht war, dort aber nie gezeigt wurde und nun beim ZDF als Ankaufproduktion gilt.

Sehenswert ist sie allemal, die Geschichte vom Freizeitboxer Ronald (Stokowski), der bei einem Kampf derart unglücklich getroffen wurde, dass er nun kein Kurzzeitgedächtnis mehr besitzt. Damit ist er für Gattin Annett (Ferres) zu einem Ganztags-Pflegefall geworden, der ihr fast keine ruhige Minute mehr lässt.

Alles, was Ronald sagt oder tut, hat er nach Sekunden vergessen

Die Zeit ist bei Ronald kurzerhand stehen geblieben, denn alles, was er sagt oder tut, ist nach wenigen Sekunden bereits gelöscht. Wenn er in der Kneipe seines Schwiegervaters kellnern will, dann muss jeder Gast damit rechnen, dass er immer wieder von Neuem nach seinen Wünschen gefragt wird.

Und selbst wenn Annett mal ein wenig Erotik ausleben möchte, dann will er nur noch eben den Fernseher nebenan ausschalten, kommt aber nicht wieder und ist erstaunt, dass die Gattin offenbar auf ihn gewartet hat. Längst hat sie damit begonnen, für Oliver jeden Tag zu einem Sonntag zu machen. Denn sie ist es leid, ihn daran zu hindern, das Haus mit der Aktentasche Richtung Arbeitsstelle zu verlassen.

Ferres trägt das Drama auf ihren Schultern

Ferres, der man sonst so wenig zutraut, ist hier als Friseurin kaum wiederzuerkennen. Ungeschminkt und mit deutlichen Augenringen trägt sie als Annett das Drama tapfer auf ihren Schultern. Ihr Sohn hat sich für ein Stipendium in den USA beworben, weil er nur noch weit wegwill von daheim. Ihrem Haus droht die Zwangsversteigerung, weil die Bank kaum noch Einkünfte sieht.

Hilfe ist nicht in Sicht. Und so prangert Regisseur Arnstedt in seinem mit kleinem Budget gedrehten Film deshalb auch die Fehler des Medizinischen Dienstes an, der oftmals nach viel zu strikten Regeln arbeitet. Natürlich, Ronald kann noch allein zur Toilette gehen, auch kann er sich noch selbst rasieren. Also soll die Ehefrau sich doch glücklich schätzen.

Der Moment der Selbstbetrachtung ist schmerzvoll

Der schmerzvollste Moment des Films ist nicht die keimende Affäre der verzweifelten Ehefrau mit einem Rechtsanwalt. Es ist auch nicht der Moment, da Veronica Ferres unter Beweis stellen will, wie gut sie Bierflaschen mit dem Zahn öffnen kann. Es ist vielmehr der Augenblick, als Ronald im Spiegel plötzlich seine Speckrollen wahrnimmt und er nicht weiß, woher die nur alle kommen können. Die Verzweiflung, die Oliver Stokowski da spüren lässt, lässt frösteln.

Fazit: Ein aufreibender Film, stark besetzt bis in die Nebenrollen (Rolf Zacher, Matthias Brenner).

ZDF, Donnerstag, 9. August, 22.30 Uhr