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Warum der WDR eine Reportage zweimal in Auftrag gab

Die ARD strahlt „Fake Science – Die Lügenmacher“ am Montag aus, am Dienstag läuft ein Film zum Betrug im Wissenschaftsbetrieb im WDR Fernsehen.

Die ARD strahlt „Fake Science – Die Lügenmacher“ am Montag aus, am Dienstag läuft ein Film zum Betrug im Wissenschaftsbetrieb im WDR Fernsehen.

Foto: Wolfram Kastl / dpa

Der WDR hat zwei Filme zu Betrügereien im Wissenschaftsbetrieb produzieren lassen. Der Sender spricht von mangelnder Abstimmung.

Berlin.  Es war die Aufmachermeldung in den NDR-Hörfunk-Nachrichten am Donnerstagvormittag: Mehr als 5000 deutsche Wissenschaftler würden in scheinwissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen ohne jede Qualitätskontrolle ihrer Forschungsergebnisse, meldete der Sender. Weltweit seien gar 400.000 Forscher betroffen. Zeitgleich titelte „Süddeutsche.de“: „Tausende Forscher publizieren in Pseudo-Journalen“.

Beide Medien beriefen sich dabei auf den Rechercheverbund von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung (SZ)“. Im Prinzip trommelten sie in eigener Sache: Diesen Freitag erscheint im „SZ-Magazin“ eine Story zum Thema. Am Montag folgt dann in der ARD um 21:45 Uhr eine TV-Reportage mit dem Titel „Fake Science – Die Lügenmacher“.

Reportage doppelt in Auftrag gegeben

„Spiegel“-Lesern kommt das alles seltsam bekannt vor. Auch in der bereits am Sonnabend erschienenen aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins gab es unter dem Titel „Professor Fake“ eine Story über die Unterminierung der Wissenschaftslandschaft durch unseriöse digitale Fachmagazine. Auch der „Spiegel“ berief sich auf eine TV-Reportage – allerdings nicht auf „Fake Science“, sondern auf ein Stück namens „Betrug statt Spitzenforschung“. Mit dem Rechercheverbund hat es nicht zu tun. Sein Autor ist der Journalist Peter Onneken. Einzige Parallele: In beiden Fällen ist der WDR involviert: Er ist Auftraggeber der Onneken-Reportage und Mitglied des Rechercheverbundes.

Der Sender hat eine Reportage zu ein und demselben Thema doppelt in Auftrag gegeben. Als seine Partner NDR und „Süddeutsche Zeitung“ davon Wind bekamen, war ihr Unmut groß. Sie sollen in der Sache bei WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn vorstellig geworden sein. Das Stück im „Spiegel“ zu „Betrug und Spitzenforschung“ kam wohl nicht auf Veranlassung des WDR, sondern auf Initiative von Autor Onneken zustande. Das Nachrichtenmagazin ging noch davon aus, dass die Reportage vergangenen Freitag bereits im WDR Fernsehen gelaufen sei und man sie nun in der Mediathek des Senders abrufen könne.

„Nicht ausreichend miteinander abgestimmt“

Beides ist falsch. Zwar lässt sich jetzt noch auf WDR.de eine Seite aufrufen, auf der die Ausstrahlung der Reportage für Freitag, den 13. Juli um 7:20 Uhr morgens (!) angekündigt wird. Die höchst ungewöhnliche Sendezeit legt die Vermutung nahe, ein übereifriger Programmplaner habe den Stein des Anstoßes regelrecht versenden wollen. Tatsächlich lief „Betrug statt Spitzenforschung“ nicht an diesem Tag.

Eine WDR-Sprecherin bestätigt, die „beteiligten Bereiche“des Senders hätten sich „nicht ausreichend miteinander abgestimmt“. Es habe dann Versuche gegeben, beide Recherchen zusammenzuführen. „Die Redaktionen und Autoren“ hätten aber entschieden, „dass in diesem Fall ein gemeinsamer Film nicht sinnvoll erscheint.“ Nun soll „Betrug statt Spitzenforschung“ kommenden Dienstag um 21 Uhr im WDR Fernsehen laufen.

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Bleiben wir beim WDR: Der Sender und der Chef seiner Revisionsabteilung, Christoph Hagen, der bisher auch Anti-Korruptionsbeauftragter des WDR war und seit 1993 an Bord ist, gehen ab sofort getrennte Wege. Der Grund dafür ist unklar. Hagens Name wurde bereits von der Website des WDR getilgt.

Die WDR-Revision, die direkt der Intendanz unterstellt ist, sollte ursprünglich dabei helfen, die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung im Sender aufzuklären. Dann wurden entsprechende Vorwürfe jedoch ausgerechnet gegen einen Mitarbeiter eben dieser Abteilung laut. Die Anschuldigungen erwiesen sich aber offenbar als haltlos. Mit all dem soll der Abgang Hagens nichts zu tun haben. Der Sender wollte sich zu der Personalie nicht äußern. Hagen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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