Dokumentation

„Marie Antoinette“ – Eine Königin träumt von der Freiheit

Ihr Garten soll schöner werden: Marie Antoinette hat deshalb den Architekten Richard Mique beauftragt (nachgestellte Spielszene in der historischen Doku.

Ihr Garten soll schöner werden: Marie Antoinette hat deshalb den Architekten Richard Mique beauftragt (nachgestellte Spielszene in der historischen Doku.

Foto: Arte / © Château de Versailles

Aufwändig inszenierte Dokumentation über französische Monarchin „Marie Antoinette“. Bewegendes Porträt einer starken Persönlichkeit.

Sie war eine sanfte, dabei kompromisslose Rebellin. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diese von individueller Freiheit träumende und den Idealen der Aufklärung verpflichtete junge Frau jener Revolution zum Opfer fiel, zu der es ohne sie vielleicht nie gekommen wäre: Marie Antoinette. Die Tochter Maria Theresias – seit 1774 als Gemahlin Ludwigs XVI. Königin von Frankreich – starb 1793 in Paris mit 37 Jahren auf dem Schafott.

Die Arte-Produktion lässt 19 Jahre aus dem Leben Marie Antoinettes aufleben und setzt in jenem Moment an, in dem die 14-Jährige mit dem linkischen französischen Thronfolger Ludwig August in Versailles verheiratet wird. Es ist eine Zweckheirat aus politischem Kalkül. Gleichsam über Nacht werden die bisherigen Erzfeinde Frankreich und Habsburg zu Bündnispartnern. Das Mädchen, eigentlich ein Kind noch, ist das Opfer. Und das Opfer wehrt sich – und schafft sich damit mehr und mehr Feinde.

Der Fokus liegt auf dem Petit Trianon

Im Mittelpunkt der aus Spiel­szenen, aktuellen Filmaufnahmen und Statements von Historikern eindrucksvoll arrangierten Geschichtserzählung steht Versailles – freilich weniger das weltberühmte Schloss als ein Bereich an der Peripherie der Anlage. Der Fokus liegt auf dem Petit Trianon, einem kleinen Schloss, das Ludwig für seine Maitresse Madame de Pompadour bauen ließ, das dann von einer weiteren Maitresse genutzt wurde und das König Ludwig XVI. schließlich seiner Frau schenkte. Marie Antoinette ersetzt die streng geometrische, von Macht und Autorität kündende Gartenanlage durch einen „natürlichen“ englischen Landschaftspark und­ lässt das Innere des Petit Trianon umgestalten.

Das Idyll perfekt macht der Bau einer Dorfkulisse im normannischen Stil. Die Restaurierung dieses paradiesischen „Hameau“ (auf Deutsch „Weiler“) gehört zu den zentralen Themen des Films. Hier sucht und findet Marie Antoinette die Möglichkeit, dem Hofprotokoll samt den damit verbundenen Privilegien der Hofschranzen zu entkommen. Als Dauphine in Versailles hat die Pubertierende (gespielt von Genevieve Howard) bereits – ein folgenschwerer Fehler – gegen die restriktiven Regeln aufbegehrt und die Etikette ignoriert. „Sie hat sich verhalten wie ein normaler Teenager“, kommentiert ein Historiker. Irgendwie aufmüpfig, renitent, rebellisch und – am schlimmsten – offen und ehrlich.

Starke und verletzliche Frau

Als Königin (Roxanne Bennett) dann geht sie an ihrem Zufluchtsort Petit Trianon, wo sie nur ausgewählte Freunde trifft, endgültig ihren eigenen Weg. Dass ihr libertärer und einer Königin so gar nicht gemäßer Lebensstil nicht nur den Hofadel, sondern auch große Teile der Bevölkerung gegen sie aufbringt, stört sie nicht. Die Filmemacher zeigen eine so starke wie verletzliche junge Frau, die Freiheit, Gefühle und Charakter höher bewertet als überkommene Regeln, Rang und Namen.

Fazit: Hinter der eindrucksvollen Darstellung einer Monarchin scheint das tragische Bild einer jungen Frau hervor. Bewegendes Porträt einer starken Persönlichkeit.

• Arte, Samstag, 23. Juni, 20.15 Uhr