Skandal

WDR-Koordinator Henke wehrt sich gegen Belästigungsvorwürfe

Der frei gestellte WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke (zweiter von rechts) bei der Vorstellung der ARD-Anwaltsserie „Falk“ mit Maria Bartuschek, Caren Toenissen-Brandt, Fritz Karl und Bea Schmidt (von links nach rechts).

Der frei gestellte WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke (zweiter von rechts) bei der Vorstellung der ARD-Anwaltsserie „Falk“ mit Maria Bartuschek, Caren Toenissen-Brandt, Fritz Karl und Bea Schmidt (von links nach rechts).

Foto: © ARD/Kai Schulz / ARD Das Erste

Skandal um sexuelle Belästigung beim WDR: Der freigestellte „Tatort“-Koordinator Gebhard Henke wehrt sich öffentlich gegen Vorwürfe.

Köln.  Im Fall des freigestellten WDR -Fernsehspielchefs Gebhard Henke , der auch „Tatort“-Koordinator der ARD ist, spielt offenbar ein anonymes Flugblatt eine wichtige Rolle. Dieses Flugblatt kursierte an der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM), an der Henke lehrt. Darin wird dem 63-Jährigen vorgeworfen, Frauen sexuell belästigt zu haben. Parallelen zu dem Fall des berühmt-berüchtigten Filmproduzenten Harvey Weinstein werden gezogen.

Irgendwie gelangte das Flugblatt nach Berlin. Es machte Freitag bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises die Runde. Zwei Tage später, am 29. April, wurde Henke vom WDR freigestellt. Das mag Zufall sein. Der Sender jedenfalls bestreitet jeden Zusammenhang mit der Freistellung des Fernsehspielchefs.

Frauen haben sich an den Sender gewandt

Man habe „bereits am 24. April“ einen ersten anonymen Hinweis bekommen. „Diesem sowie weiteren Hinweisen, die den WDR in den Folgetagen erreichten, sind die zuständigen Stellen intensiv nachgegangen“, so eine Sendersprecherin auf Anfrage. „Inzwischen liegen dem WDR auch konkrete Anschuldigungen sexueller Belästigung möglicher Betroffener vor.

Auf dieser Grundlage wurde der Mitarbeiter freigestellt, bis die Vorwürfe aufgeklärt sind.“ Offenbar haben sich zwei Frauen an den Sender gewandt. Am Montag ging Henke über seinen Berliner Anwalt Peter Raue an die Öffentlichkeit.

Henke wollte Spekulationen ein Ende bereiten

Er ist der erste der mittlerweile sieben WDR-Mitarbeiter, denen in den vergangenen vier Wochen vorgeworfen wurde, Frauen sexuell belästigt zu haben , der den Schritt wagte, sich öffentlich zu äußern. Raue bestritt die Vorwürfe und sagte, der Sender habe seinen Mandanten freigestellt, ohne ihm „einen einzigen konkreten Sachverhalt zu nennen“. Henke habe den Schritt an die Öffentlichkeit getan, um Spekulationen ein Ende zu bereiten.

Zwar hatte „Bild“ ebenfalls am Montag berichtet, der WDR habe einen „hochrangigen Mitarbeiter“ wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung freigestellt. Henkes Namen nannte die Zeitung aber nicht. Spekulationen um den Fernsehspielchef in dieser Angelegenheit kann es folglich nur vor dem Hintergrund des Flugblatts gegeben haben.

Vertrag des Fernsehdirektors steht zur Verlängerung an

In der Branche kennt Henke jeder und das nicht nur wegen des „Tatorts“. Der WDR-Mann betreute Produktionen wie die „Lindenstraße“. Bei Spielfilmprojekten wie „Kleine Haie“ oder „Good Bye, Lenin“ zog er im Hintergrund die Strippen.

Von den sieben WDR-Mitarbeitern, denen in den vergangenen Wochen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gemacht wurden, ist Henke der vierte, der der von Jörg Schönenborn geleiteten Fernsehdirektion zuzuordnen ist. Der Vertrag des Fernsehdirektors steht zur Verlängerung an. Im Fall eines ehemaligen Redakteurs der Programmgruppe Ausland, dem intern bereits 2010 sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde, gab Schönenborn, damals noch WDR-Chefredakteur, eine unglückliche Figur ab.

Kritik an WDR-Intendant Tom Buhrow

Die Sache endete damit, dass der Auslandskorrespondent Arnim Stauth als Tippgeber eine Ermahnung erhielt, während der betroffene Redakteur bis heute unbehelligt weiterarbeiten kann.

Ob die von Intendant Tom Buhrow mit der Aufklärung der vielen Vorwürfe beauftragte ehemalige EU-Kommissarin und Ex-ÖTV-Chefin Monika Wulf-Mathies Licht ins Dunkel zu bringen vermag, ist ungewiss. Bisher ist nicht klar, was die 76-Jährige für ihre Aufgabe qualifiziert.

Im Mai geht sie erst einmal in Urlaub. Senderintern wird kritisiert, dass Buhrow bei der Aufklärung den Personalrat als auch den für solche Fälle gegründeten Interventionsausschuss zu wenig einbeziehe.