Downsyndrom

TV-Show im Grenzbereich – Darf man „Downie“ sagen? ­

Wer ist der Stärkere? Micky Beisenherz (l.) beim Armdrücken mit Marcel, der Trisomie 21 hat.

Wer ist der Stärkere? Micky Beisenherz (l.) beim Armdrücken mit Marcel, der Trisomie 21 hat.

Foto: WDR/SEO Entertainment/Eileen Frö

Die Komiker Micky Beisenherz und Oliver Polak wollen „Comedy im Grenzbereich“ machen. Dafür trafen sie nun Menschen mit Trisomie 21.

Sekunden bevor sie ihren ersten Gesprächspartner treffen, offenbart Oliver Polak Unsicherheiten: „Wissen die eigentlich, dass die das Downsyndrom haben?“, fragt er sich und seinen Kollegen Micky Beisenherz.

Sie stehen vor der Tür einer Werkstatt für behinderte Menschen. Vielleicht ist die Frage seltsam. Jedenfalls ist sie ehrlich. Wer keinen Menschen mit Trisomie 21 kennt, dem dürften noch mehr Fragen einfallen, die er sich gar nicht erst zu stellen traut.

Das übernehmen nun also, stellvertretend, Komiker Polak und Moderator Beisenherz. Vielleicht ist die neue Folge aus der Reihe „Das Lachen der Anderen“ die bisher schönste. „Comedy im Grenzbereich“ ist das Motto der 45-minütigen Filme.

Die beiden Männer ziehen los, Menschen kennenzulernen, die ein ganz anderes Leben führen als sie selbst. Nonnen, Kleinwüchsige, Blinde, Ökos, zuletzt HIV-Infizierte. Eine außergewöhnliche Liste – gewählte Lebensentwürfe und vorgegebene Lebensbedingungen im Wechsel. Allen gemein ist: Sie sind den Moderatoren fremd.

„Ich hab Trisomie 21, und das gefällt mir auch“

Jetzt also Menschen mit Trisomie 21. Darf man überhaupt „Behinderte“ sagen? Nein, sagt Michael, ihr erster Gesprächspartner, der ihnen seinen Arbeitsplatz in der Werkstatt zeigt. „Downie“ wolle er auch nicht hören.

Er selbst beschreibt sich so: „Ich hab Trisomie 21, und das gefällt mir auch. Und ich finde es schön, dass ich so gebaut bin.“ Wer keinen Menschen mit Downsyndrom kennt, hört Sätze wie diese nicht oft. In ihrer Direktheit, in ihrer manchmal vielleicht ein bisschen anderen Anordnung von Wörtern. Sie holen einen kurz raus aus dem, was man sonst so für „normal“ hält.

Und so geht es natürlich auch Beisenherz und Polak. Sie lachen herzlich, als ihnen Thomas, der zweite Gesprächspartner, sagt, er sei eigentlich nie traurig, nein, wirklich, überhaupt nie – außer morgens, wenn er zur Arbeit fahren müsse. Das klingt ja auch lustig.

Bis klar wird, dass Thomas deshalb traurig wird, weil irgendwelche Schulkinder in seinem Bus sich über ihn lustig machen. Ihn mit Essen bewerfen. Durchgehend lustig ist sein Leben eben auch nicht.

Weder Ironie noch Sarkasmus, sondern direktere Komik

Umso besser ist es, ihn in einem für ihn guten Moment zu sehen: im Jugendclub, in dem er eine Art Karaoke-Auftritt zu anzüglichen Ballermann-Hits zelebriert. Im Glitzerjackett brüllt er: „Der Bass muss f*****.“ Sexwitze kommen bei Beisenherz und Polak super an – und so findet dieser absurde Song natürlich Eingang in den abschließenden Stand-up-Auftritt, der traditionell die Recherchereise des Duos abschließt.

Ironie? Sarkasmus? „Kannste abhaken“, stellt Beisenherz schon früh fest. Die Menschen mit Downsyndrom, die sie im Laufe von drei Tagen getroffen haben, wollen direktere Komik, glauben sie.

Tatsächlich haben sie selbst viel Direktheit erlebt. Etwa, als der nette Marcel sich ehrlich interessiert an Oliver Polak wendet: „Ich hab noch eine Frage: Bist du dick oder nicht?“ Das gehört zum Reiz der Reihe – auch die Forscher müssen sich öffnen.

Fazit: Besonders gute Folge eines bereichernden Formats.

„Das Lachen der Anderen“ , WDR, Donnerstag, 8. März 2018, 23.25 Uhr

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