Bankgeschäfte

Arte-Serie „Bad Banks“ zeigt die böse Welt der Hochfinanz

Die mysteriöse Mentorin: Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch, rechts) kümmert sich um Jana Liekam (Paula Beer). Intrigen und Betrügereien haben sie an den Rand ihrer Kraft gebracht.

Die mysteriöse Mentorin: Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch, rechts) kümmert sich um Jana Liekam (Paula Beer). Intrigen und Betrügereien haben sie an den Rand ihrer Kraft gebracht.

Foto: © Ricardo Vaz Palma/ZDF

„Bad Banks“ ist eine sechsteilige Miniserie auf Arte über Intrigen in der Finanzwelt. Stark ist vor allem das wendungsreiche Drehbuch.

Essen.  Menschen schreien durcheinander. Die Wortfetzen, die durch die Luft fliegen, klingen bedrohlich: „Wo ist mein Geld?“, ruft einer. „Mein Erspartes ist weg“, ein anderer. Ein Mann bricht vor einem Bankautomaten zusammen, der sich weigert, Geld auszuspucken. „Leer“ – dieses Wort prangt auf dem Display. Die Bank ist pleite. Die Menschen drehen durch, legen Feuer auf den Straßen. Es herrscht Ausnahmezustand.

Wie gut, dass mit der nächsten Szene erst einmal wieder Ruhe einkehrt. Rückblick in die Vergangenheit, in eine Zeit, vor acht Jahren. Zu sehen sind eine junge Frau, ein junger Mann, ein Kind. „Gibt es kein Trockenmüsli?“ – so eine Frage vermittelt: Hier ist die Welt noch in Ordnung. Bis Jana Liekam dann erklärt, sie will in die Hochfinanz.

Es wird ihr Leben verändern, das ist klar. Dass es sie zerstören wird? Ihr Mann sagt ihr so etwas, aber sie – ganz im Feuer des Erfolgs – kann sich das gar nicht vorstellen.

Heiße Luft und Spekulationen auf Wertpapiere

Im Gegenteil. Sie lässt sich verführen von der Welt des Geldes, den Luxuswohnungen, den teuren Autos, dem Rotwein am Abend, und dazu eine Linie Koks. Noch sieht sie nicht, dass sich hinter der glitzernden Fassade Menschen befinden, die vor allem heiße Luft produzieren. Größenwahnsinnige Einsame, die über „strukturierte Finanzprodukte“ reden, über Derivate und über Spekulationen auf Wertpapiere, die davon abhängen, ob es in Kalifornien schneit.

ana (gespielt von Paula Beer) ist zu naiv, um das Spiel der Intrigen zu durchschauen. Sie wird gefeuert – und aufgefangen von der Grande Dame des Finanzgeschäfts – von Christelle Leblanc.

Paula Beer (23), der große Nachwuchsstar, trifft auf Désirée Nosbusch (53), die einstige Moderatorin, die oft versucht hat, den Sprung vom Kinderstar zur Charakterdarstellerin zu schaffen. Es ist verblüffend, dass diese Frau, die in Talkshows so natürlich wirkt, im Film viel zu hölzern agiert. Die Härte, mit der sie ihr Team anpfeift, wirkt zu übertrieben. Die Wärme, mit der sie Jana die Zusammenarbeit anbietet, eine Spur zu aufgesetzt. Nosbusch steht immer ein wenig neben der Rolle. Geradezu schlimm, diese starre Perücke, die aus ihr nicht eine eiserne Lady, sondern fast eine Karikatur macht.

Szenerie wechselt von scheußlichen Großraumbüros in Luxussuiten

Ansonsten jedoch hat Regisseur Christian Schwochow die Geschichten aus der Welt der Hochfinanz überaus glaubwürdig herübergebracht. In einem atemberaubenden Tempo wechselt die Szenerie von scheußlichen Großraumbüros in Luxussuiten. Der Zynismus der Finanzwelt ist in jedem Moment spürbar. Manchmal wirkt es ein wenig zu klischeebeladen, wenn die Bösen immer noch böser werden. Aber das wird mit Ironie aufgefangen – durch so erheiternde Sprüche wie die des Ministers, der nach dem Bankencrash sagt: „Lassen Sie Ihr Geld auf der Bank. Ihr Geld ist sicher.“

Fazit: Packender Stoff über den Finanz-Crash, der die Pleite der Lehman-Brothers widerspiegelt. Wendungsreiches Drehbuch und eine starke Paula Beer.

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