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Das große Comeback der Produktionsfirma Studio Hamburg

Für die Produktionsfirma Studio Hamburg geht es wieder bergauf.

Für die Produktionsfirma Studio Hamburg geht es wieder bergauf.

Foto: imago/Rust / imago stock&people

Lange ging es Studio Hamburg nicht sonderlich gut. Nun plant die Produktionsfirma wieder einige internationale Serien und Kinofilme.

Berlin.  Hinter Studio Hamburg, neben der Ufa und der Bavaria eine der drei größten deutschen Film- und Fernsehproduktionsfirmen, liegen schwere Jahre. Das Unternehmen schrieb rote Zahlen. Das Studiogelände in Hamburg-Tonndorf wurde immer kleiner: Da dort kaum einer mehr drehen wollte, wurde ein nicht geringer Teil der Fläche dem Wohnungsbau zur Verfügung gestellt. Zuletzt entstanden in den Studios nur noch einige Shows.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Seit 2014 schreibt die Firma wieder schwarze Zahlen. Seit 2015 wird mit der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ wieder ein fiktionales Format auf dem Studiogelände produziert. Vergangenen Montag kam mit „Tanken“, einer zwölfteiligen Comedy-Serie im Stil von „Der Tatortreiniger“, ein weiteres Format hinzu. Auftraggeber ist ZDF Neo. Und so wie es derzeit aussieht, kehrt Ende des Jahres mit dem „Großstadtrevier“ das Flaggschiff der ARD-Vorabendunterhaltung zurück nach Hamburg-Tonndorf.

Auch Kinofilme entstehen in Hamburg-Tonndorf

Bei neuen Produktionen setzen die Hamburger verstärkt auf anspruchsvolle teure Serien, die meist in internationaler Co-Produktion entstehen, aber auch auf Kinofilme. Auf der Berlinale hatte am Mittwoch „Bad Banks“ Premiere, ein Sechsteiler, der im Investmentbanker-Milieu spielt und ab Anfang März auf Arte und im ZDF läuft.

Noch in Planung ist der Achtteiler „Tod unter Freunden“, bei dem „Weißensee“-Regisseur Friedemann Fromm Regie führen wird. Es geht dabei um zwei Familien, die gemeinsam einen Segeltörn unternehmen, auf dem ein Junge verschwindet. Vier von acht Drehbüchern sind fertig. Drehbeginn könnte im August sein.

„Berlin, Berlin“ kommt als Film ins Kino

Auch noch ganz am Anfang steht eine sechsteilige deutsch-italienische Produktion, die den Arbeitstitel „Back in Time“ trägt. In der Miniserie , in der Ulrich Tukur und Verena Altenberger mitspielen, geht es um einen Kriminalfall, der die Ermittler in die Zeit der gewaltsamen Unabhängigkeitsbestrebungen im Südtirol der 50er- und 60er-Jahre führt.

Bei den geplanten Kinoprojekten von Studio Hamburg ragt die Verfilmung von Udo Lindenbergs Jugend mit dem Titel „Mach dein Ding“ heraus. Der Film, bei dem Hermine Huntgeburth Regie führen wird, zeichnet das Leben des Musikers zwischen dessen fünften und 25. Lebensjahr nach.

Die zwischen 2002 und 2005 in der ARD erfolgreiche Serie „Berlin, Berlin“ um ein junges Mädchen, das sein Glück in der Hauptstadt sucht, kommt nun ins Kino. Gut zehn Jahre später spielt abermals Felicitas Woll die Hauptrolle. Zudem plant Studio Hamburg zusammen mit der dänischen Fridthjof Film das Historiendrama „Love and War“, das auf einer dänischen Insel während des Ersten Weltkriegs spielt. Die Dreharbeiten haben kürzlich begonnen. Drehstart für die anderen beiden Filme soll noch dieses Jahr sein.

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Auch ARD äußert sich zu Yücels Freilassung

Als Deniz Yücel vergangenen Freitag nach einem Jahr Haft aus türkischer Haft entlassen wurde, war das auch dem ARD-Vorsitzenden eine Wortmeldung wert: „Als ARD freuen wir uns für Deniz Yücel und seine Familie“, ließ Ulrich Wilhelm, im Hauptberuf Intendant des Bayerischen Rundfunks via Pressemitteilung wissen. „Freie und unabhängige Medien sind ein hohes Gut in einer demokratischen Gesellschaft.“

Aber auch das gehört zur Wahrheit: Im April 2017 konnten sich die ARD-Intendanten auf einer Sitzung in Frankfurt nicht zu einer Solidaritätsaktion für Yücel durchringen. Der Vorschlag von NDR-Intendant Lutz Marmor, mit Mediengrößen wie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner ein Video für den Journalisten zu drehen, fiel bei der Mehrheit der anderen Senderchefs durch. Sie verwiesen allen Ernstes auf den Satz des einstigen „Tagethemen“-Moderators Hanns-Joachim Friedrichs, ein Journalist dürfe sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Zudem hielten sie es für erforderlich, zu prüfen, ob sich Yücel nicht doch einer Straftat schuldig gemacht habe.