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„St. Josef am Berg“ mit Harald Krassnitzer startet im Ersten

Hotelier Joseph Pirnegger (Harald Krassnitzer) will Schwiegertochter Svea (Paula Kalenberg) von der Schönheit der Berge überzeugen.

Hotelier Joseph Pirnegger (Harald Krassnitzer) will Schwiegertochter Svea (Paula Kalenberg) von der Schönheit der Berge überzeugen.

Foto: ARD Degeto/Mona Film/Repro

Harald Krassnitzer ist Hauptdarsteller in der neuen Komödienreihe „St. Josef am Berg“. Ein Gespräch über Kulturkämpfe und Heimatfilme.

Berlin.  Millionen von Krimifans kennen ihn als österreichischen „Tatort“-Kommissar Moritz Eisner. Für eine neue ARD-Komödienreihe spielt der 57-Jährige nun eine ganz andere Rolle: In „St. Josef am Berg“ ist Krassnitzer der schlitzohrige österreichische Hotelier und Bürgermeister Joseph Pirnegger. Sein Sohn heiratet eine Frau aus Norddeutschland, was in der beschaulichen Alpengemeinde zu einem Kulturkampf führt.

Sie sind Österreicher und mit der deutschen Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer verheiratet. Wie sehr unterscheiden sich die Menschen aus den beiden Ländern wirklich?

Harald Krassnitzer: Ich tue mich mit dieser Art der Differenzierung schwer. Ich teile Menschen nicht nach Nationalitäten ein, sondern ob mir jemand sympathisch ist.

Und was ist mit den vielen gegenseitigen Klischees, etwa vom peniblen Deutschen und vom gemütvollen Österreicher?

Krassnitzer: Die Sprache unterscheidet uns, und das führt doch öfter mal zu Missverständnissen. Der Österreicher findet in der Regel einen charmanten Weg, etwas Uncharmantes auszudrücken. Wenn er höflich ausdrücken will, dass ihm etwas nicht gefällt, verpackt er es in eine Geschichte, formuliert es verklausulierter. Die norddeutsche Art, etwas auszudrücken, ist sehr viel direkter, sie sagt: „Das ist gerade, und das da ist nicht gerade. Punkt.“

Im Gegenzug war das Bild, das viele Deutsche von Österreich haben, lange Zeit geprägt von Heimatfilmen mit viel Zuckerguss.

Krassnitzer: Ich glaube, dass sich das sehr geändert hat. Nicht erst seit „Kottan ermittelt“ gibt es Filme und Serien, die nicht mehr diese Zuckergussatmosphäre haben, sondern etwas rauer sind. Serien wie „Braunschlag“, „Vier Frauen und ein Todesfall“ und die „Vorstadtweiber“, oder aber österreichische Filme von Kabarettisten wie Josef Hader zeigen einen sehr bitteren schwarzen Humor, der in Deutschland auch sehr geliebt wird.

Ist die Filmreihe der Versuch, den Heimatfilm zu entstauben?

Krassnitzer: In der Tat haben unsere Filme mit der Mixtur aus Herzschmerz, Bergwelt und Heimatromantik nicht mehr viel zu tun. Sie haben Tempo, Witz und Skurrilität, aber auch Abgründe, und sie sind mitunter sehr schräg in Szene gesetzt.

Sie spielen einen Bürgermeister, sind selber politisch engagiert. Was halten Sie von der politischen Entwicklung in Österreich, die in Deutschland mit Sorge gesehen wird?

Krassnitzer: Ich bin erstaunt, dass es in Deutschland eine Sorge in Bezug auf die politische Entwicklung in Österreich gibt, wenn man im eigenen Land einen 13-prozentigen Anteil AfD im Bundestag sitzen hat. Ich selber mache mir nicht direkt Sorgen, habe aber eine hohe Wachsamkeit gegenüber der neuen Regierungskoalition in Österreich, an der Rechtspopulisten beteiligt sind, die während des Wahlkampfs ordentlich Kreide gefressen hatten. Ich bin sehr neugierig, was die denn nun vorhaben.

In der Rolle tragen Sie einen Bart. Gefallen Sie sich so?

Krassnitzer: Nein, der Bart sollte wirklich nicht zu meinem Markenzeichen werden. Wir waren der Meinung, dass er gut zur Rolle passt, aber ich war gottfroh, als ich ihn wieder abmachen konnte.

• Freitag, 16. Februar, 20.15 Uhr, ARD: „St. Josef am Berg“