Karnevalsshows

TV-Zuschauer sind Karneval leid – Shows laufen trotzdem

Am Mittwochabend im Ersten: Die große Prunksitzung des Düsseldorfer Karnevals mit dem Prinzenpaar Carsten II. und Venetia Yvonne (M.).

Am Mittwochabend im Ersten: Die große Prunksitzung des Düsseldorfer Karnevals mit dem Prinzenpaar Carsten II. und Venetia Yvonne (M.).

Foto: WDR/Claus Langer

Viele TV-Zuschauer haben genug von Konfetti und Helau. Doch die öffentlich-rechtlichen Sender halten an ihren Karnevalssendungen fest.

Berlin.  In der Düsseldorfer Stadthalle feiern sie ein Jubiläum. Zum 20. Mal überträgt die ARD die große Prunksitzung aus der Landeshauptstadt – und erwartet erneut ein Millionenpublikum. Zwei Stunden Karneval, damit könnten sich sogar Feinde des organisierten Frohsinns arrangieren. Doch „Düsseldorf Helau“ ist nur eine von Dutzenden Karnevalsshows. Auf den öffentlich-rechtlichen Sendern wird bis Aschermittwoch nahezu jeden Tag geschunkelt und gesungen: Etwa 95 Sendungen zeigen ARD, ZDF und die Dritten im Januar und Februar.

Viele Zuschauer sind genervt. 38 Prozent haben die Nase voll vom Karnevals-TV – das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Hörzu“. Vor allem Jüngere zwischen 30 und 44 können mit Büttenreden nichts anfangen. Trotzdem wollen die Sender nicht darauf verzichten. Wie kann das sein?

WDR: Rheinischer Kaneval ist Kulturerbe

Von zu viel Karneval will der Westdeutsche Rundfunk nichts wissen. „Da es sehr viele Veranstaltungen gibt und diese halt lang dauern, kommen in jeder Session schnell einige Stunden zusammen“, sagt WDR-Sprecher Sven Gantzkow. Tatsächlich strahlt der Sender nicht weniger als 27 Formate aus, nur im Bayerischen Rundfunk gibt es noch mehr Fasching.

Darunter sind Zusammenschnitte der Prunksitzungen in den Karnevalshochburgen sowie der alternativen „Stunksitzung“, Übertragungen von Rosenmontagszügen, aber auch die Dokumentation „Einmal Prinz zu sein – eine Session mit dem Kölner Dreigestirn“ (9. Februar) und eine Reportage über die Kölner Band Querbeat (11. Februar). „Nicht umsonst gehört der rheinische Karneval seit 2014 offiziell zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands“, sagt Gantzkow. „Das spiegelt sich natürlich auch im Programm wieder.“

ARD und ZDF haben vier ihrer neun Sendungen gestrichen

In NRW ist die Karnevalsfrustration vergleichsweise gering: Während an Rhein und Ruhr 32 Prozent der Zuschauer genervt sind, schaltet in Nord- und Ostdeutschland sogar jede zweite Person um oder aus. Jugendliche Zuschauer sind bei Fernsehfeiern Ausnahmen. ARD und ZDF haben deshalb vor zwei Jahren vier ihrer insgesamt neun Karnevalssendungen gestrichen, darunter „Frankfurt Helau“ und „Bütt an Bord“.

Seitdem steigen die Quoten wieder. „Nicht zuletzt die Zuschauerakzeptanz ist Beleg dafür, dass die Entscheidung richtig war“, findet ARD-Sprecher Burchard Röver mit Blick auf die Ausdünnung des Programms im Ersten. „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ etwa sahen letztes Jahr 6,73 Millionen Menschen – ein stolzer Wert.

Bringt die Terrorgefahr dem Karneval neue Fans?

„Die Karnevalsendungen sind ein Erfolg und generieren große Reichweiten“, sagt der Medienexperte Joachim Trebbe von der Freien Universität Berlin. Es sei ein Trend erkennbar: Zwar meckern viele eher junge Zuschauer über das Programm. Doch die Generation 50 Plus schaltet immer noch gern ein, beschert den Sendern gute Bilanzen – und den Düsseldorfer Jecken eine Millionenquote.

„Düsseldorf Helau“, ARD, Mittwoch, 31. Januar, 20.15 Uhr