Kinderwunschbehandlung

„Tatort“-Check: Wann ist In-vitro-Fertilisation verboten?

Der „Tatort – Dein Name sei Harbinger“ beschäftigt sich mit Kinderwunschbehandlungen. Trystan Pütter spielt den Arzt Stefan Wohlleben.

Der „Tatort – Dein Name sei Harbinger“ beschäftigt sich mit Kinderwunschbehandlungen. Trystan Pütter spielt den Arzt Stefan Wohlleben.

Foto: Gordon Muehle / rbb

Im „Tatort – Dein Name sei Harbinger“ führt eine Ärztin eine verbotene In-vitro-Fertilisation durch. Wir klären die Fragen zum Krimi.

Berlin.  Der Berliner „Tatort – Dein Name sei Harbinger“ führt die Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) in eine Kinderwunschklinik. Im Laufe der Ermittlungen zeigt sich, dass in dieser Klinik unerlaubterweise Leihmutterschaften eingeleitet wurden.

Die Klinik hat im Film Eizellen einer Frau entnommen, diese künstlich befruchtet und dann einer Leihmutter eingesetzt. Bei dem Vorgang spricht man von einer In-vitro-Fertilisation (lat.: „Befruchtung im Glas“). Illegal habe die Klinik gehandelt, weil die entnommenen Eizellen nicht derselben, sondern einer fremden Frau eingesetzt wurden. Damit waren die austragenden Mütter der Kinder nicht die genetischen Mütter.

Doch stellt sich die rechtliche Lage wirklich so dar, wie der ARD-Krimi es erzählt? Und sind Leihmutterschaften oder genetische Untersuchungen an Embryonen in anderen Ländern erlaubt? Wir beantworten die drängendsten Fragen zum aktuellen „Tatort“:

Ist die In-vitro-Fertilisation (IVF) in Deutschland erlaubt?

Ja, allerdings nur dann, wenn die „Spenderin“ der Eizelle später auch das Kind selbst austrägt. Sämtliche Formen von Leihmutterschaft sind in Deutschland verboten. Dies regelt das Embryonenschutzgesetz (ESchG) seit 1990 – beziehungsweise nach einer Änderung seit 2011. Wer als Mediziner mit der IVF eine Leihmutterschaft einleitet, muss mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.

Doch an der aktuellen rechtlichen Lage in Deutschland gibt es Kritik. „Absurderweise sind Samenspenden, also die Spaltung einer biologischen und sozialen Vaterschaft in Deutschland, nicht verboten, auch wenn einzelne familienrechtliche Fragen bis heute ungeklärt sind“, sagte Christian Thaler, Leiter des Kinderwunschzentrums der Ludwig-Maximilian-Universität München im Gespräch mit unserer Redaktion.

Macht sich eine austragende Leihmutter auch strafbar?

Nein. Eine Frau, der durch IVF eine befruchtete Eizelle eingesetzt wird, die nicht ihr selbst entnommen wurde, macht sich nicht strafbar. Auch der Mann, der den Samen für die Befruchtung gespendet hat, hat keine Strafverfolgung zu erwarten. Im Falle einer Leihmutterschaft werden lediglich das medizinische Personal, das die Behandlung durchgeführt hat, rechtlich belangt. Auch wer Leihmutterschaften veranlasst oder dafür wirbt, macht sich strafbar.

Wie viele Kinder werden in Deutschland pro Jahr nach einer IVF geboren?

Laut dem deutschen IVF-Register wurden 2014 9149 Kinder nach einer Behandlung durch IVF beziehungsweise einer leicht abgewandelten Behandlung geboren. Das Register gibt es seit 1982 und war jahrelang bei unterschiedlichen Ärztekammern angesiedelt. Seit 2009 arbeitet das Register als eigener Verein.

Wie ist die rechtliche Lage zu Leihmutterschaften in anderen Ländern?

In anderen Ländern sind Leihmutterschaften durchaus erlaubt, wie aus einer Datenbank des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht hervorgeht. Leihmutterschaften sind demnach in Großbritannien, den Niederlanden, Griechenland und mehreren Staaten der USA möglich. Dabei gibt es jedoch auch in diesen Ländern mitunter Einschränkungen. Vertragliche Vereinbarungen über Leihmutterschaften – zum Beispiel über eine Entlohnung der Leihmutter – sind in den Niederlanden nicht erlaubt.

In diesen Ländern gibt es auch prominente Beispiele für Paare, die mithilfe von Leihmüttern Kinder bekommen haben. Offen hatte in den vergangen Jahren zum Beispiel der US-Moderator Jimmy Fallon über das Thema gesprochen. Wie das „Time“-Magazin berichtete, sind die Kinder Frances Cole und Winnie Rose von einer Leihmutter ausgetragen worden. Ob allerdings eine In-vitro-Fertilisation durchgeführt wurde, ließen Medienberichte offen.

Bezahlen deutsche Krankenkassen eine IVF?

Die gesetzlichen Krankenversicherungen zahlen unter ganz bestimmten Voraussetzungen drei Behandlungszyklen einer künstlichen Befruchtung. In Detail legt dies § 27a im fünften Sozialgesetzbuch fest. Das schließt auch ein In-vitro-Fertilisation ein.

Allerdings zahlen die Kassen nur, wenn das Paar verheiratet und beide Partner über 25 Jahre alt sind. Die Frau darf nicht über 40 und der Mann nicht über 50 Jahre alt sein. Eine Behandlung im Ausland zahlen die Krankenkassen nicht.

Werden bei der IVF nur gesunde Embryonen eingesetzt?

Mithilfe der Präimplantationsdiagnostik ist es unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt herauszufinden, ob ein Kind später an schwerwiegenden Erbkrankheiten leiden wird. Dieser Test ist allerdings nur gestattet, wenn bei dem Mann oder Frau die „genetische Disposition“ eine Erkrankung des Kindes erwarten lässt.