Spurensuche

Doku „Aidas Geheimnisse“ zeigt lange Suche nach der Familie

Begeisterte Begrüßung zwischen Itzak (rechts) und Shep. Dass es einen Bruder gab, wusste Itzak nicht. Mit 70 Jahren ging er auf die Suche nach seinen Wurzeln.

Begeisterte Begrüßung zwischen Itzak (rechts) und Shep. Dass es einen Bruder gab, wusste Itzak nicht. Mit 70 Jahren ging er auf die Suche nach seinen Wurzeln.

Foto: SWR/Alon Schwarz

In der Doku „Aidas Geheimnisse“ will ein 70-jähriger Israeli wissen, woher er kommt. Eine Entdeckungsreise in die Welt seiner Mutter.

Es muss ein seltsames Gefühl sein, plötzlich zu erfahren, dass man adoptiert worden ist. Und noch seltsamer wird es, wenn man mit 13 Jahren die leibliche Mutter in Kanada ausfindig gemacht hat, die sich dann aber beharrlich weigert, über die Beweggründe der Adoption zu reden. Dieses Gefühl der Unvollständigkeit hat den in Israel lebenden Itzak Szewelewiz nicht ruhen lassen, weshalb er mit fast 70 Jahren noch einmal zu forschen beginnt. Was er zutage fördert, sind lang gehütete Geheimnisse, die sein Verhältnis zur Familie, aber auch zu seiner Religion radikal verändern werden.

Gemeinhin bringt man derartigen Enthüllungen, die sich weit weg zwischen Israel und Kanada auftun, ein eher geringes Interesse entgegen. Doch der Dokumentarfilmer Alon Schwarz, selbst ein Neffe Itzaks, versteht in „Aidas Geheimnisse“ vorzüglich, einen Spannungsbogen aufzubauen, und macht aus dem Schicksal dieses Israelis eine Entdeckungsreise in die geheimnisvolle Welt seiner Mutter. Gleichzeitig muss man diesen Film über die Suche nach einer wahren Identität vielleicht auch als ein Werk über die fortwährenden psychischen Belastungen des Holocausts sehen.

Besuch bei der Mutter

Itzaks Aufbruch beginnt bereits daheim, als er Einblick in seine Adoptionspapiere nimmt und dort Überraschendes erfährt. Sein Vater beispielsweise ist nicht im Krieg gefallen, sondern hat sich scheiden lassen. Und seine Geburtsurkunde weist noch einen Bruder Shep auf, von dem er noch nie gehört hat. In Kanada treffen sich diese beiden Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben – der eine, der die Mutter kennt, aber nicht den Vater, der erblindete andere, der zumindest seinen Vater kennt, aber seine Mutter noch nie gesehen hat. Beim ersten gemeinsamen Besuch der beiden bei Mutter Aida, drei Flugstunden von Winnipeg nach Montreal, versucht sie sich zwar in Herzlichkeit, schweigt aber weiter über die Vergangenheit.

Aber auch ohne ihre Bestätigung erfahren die beiden recht bald, dass sie von unterschiedlichen Vätern abstammen. Man hätte sich das denken können. Der Verdacht liegt in der Luft, dass Itzaks Erzeuger möglicherweise ein Deutscher war, schließlich ist auch noch von einem dritten Bruder die Rede. „Das hört nie auf“, zeigt sich Itzak verzweifelt. Die beiden Männer mutmaßen Ehebruch. Es muss, so glauben sie, nach dem Krieg, wohl hoch hergegangen sein.

Kein Kontakt zu den Kindern

Aber dann schauen wir uns diese alte Dame an und glauben nicht, dass sie dies alles aus Leichtsinn gemacht hat. „Damals ging es nicht um Liebe“, meint eine alte Weggefährtin. Man habe vielmehr zugesehen, dass man existieren konnte. Was man nicht so ganz verstehen kann, das ist die Tatsache, dass Aida keine Neigung verspürte, den Kontakt mit ihren Kindern zu suchen. Der Film, der den Betrachter allmählich ganz in dieses Verwirrspiel einspinnt, versucht hier auch gar nicht, mildernd einzugreifen.

Fazit: Dokumentarfilme können manchmal interessanter sein als die nächste Krimi-Wiederholung. Man muss sich nur darauf einlassen.

ARD, 16. August, 22.45 Uhr