Übertragungsrechte

Der Poker um die Fernsehrechte für Olympia geht weiter

Die Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wurde in die gesamte Welt übertragen.

Die Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro wurde in die gesamte Welt übertragen.

Foto: imago sport / imago/Kyodo News

ARD und ZDF verhandeln überraschend wieder mit Discovery um Olympia-Rechte für 2018 und 2020. Wer wird die Spiele übertragen dürfen?

Hamburg.  Zuletzt schien es so, als würden ARD und ZDF die kommenden sieben Jahre komplett auf Olympische Spiele verzichten müssen. Nicht einmal Kurzberichte in der „Tagesschau“, „Heute“, der „Sportschau“ oder dem „Aktuellen Sportstudio“ sollte es geben.

Das war der Stand im Dezember 2016. Kurz zuvor waren Verhandlungen zwischen dem US-Medienkonzern Discovery, der sich 2015 die europäischen Übertragungsrechte für die Spiele von 2018 bis 2024 für 1,3 Milliarden Euro gesichert hatte, über deutsche Olympia-Sublizenzen mit ARD und ZDF gescheitert.

Wiederaufnahme der Gespräche bestätigt

Nun sprechen beide Parteien wieder miteinander. Die „FAZ“ berichtete zuerst darüber. Eine Olympia-Berichterstattung scheint in greifbarer Nähe zu sein. Die Beteiligten wollen offiziell nur bestätigen, dass man wieder redet.

In Senderkreisen heißt es jedoch, dass die Initiative zu den nun wiederaufgenommenen Gesprächen von Discovery ausging. Man habe zuvor bereits über mögliche Kurzberichte von den Spielen bei ARD und ZDF gesprochen. Im Zuge der Verhandlungen über diese sogenannten Nachverwertungsrechte hätten die Amerikaner angeboten, auch wieder über komplette Sublizenzen zu sprechen.

ARD und ZDF wollten nur 100 statt 150 Millionen zahlen

Wenn Discovery den ersten Schritt gemacht haben sollte, ist es wahrscheinlich, dass der Medienkonzern bereit ist, von ursprünglichen Forderungen abzurücken. Noch im Herbst 2016 hatte er dem Vernehmen nach allein für die Sublizenzen an Übertragungen von den Winterspielen 2018 im koreanischen Pyeongchang und von den Sommerspielen 2020 in Tokio 150 Millionen Euro haben wollen. ARD und ZDF waren nur bereit, 100 Millionen Euro zu zahlen.

Für die neue Verhandlungsbereitschaft der Amerikaner gibt es wohl zwei Gründe: Ihr Chefunterhändler Jean-Thierry Augustin hat Discovery verlassen. Der französische Manager war der Gesprächspartner von ARD und ZDF. Er soll bei den Verhandlungen hoch gepokert haben, womöglich zu hoch.

Discovery-Tochter streitet mit Sky Deutschland um Bundesliga-Rechte

Grund zwei sind die Probleme der Discovery-Tochter Eurosport mit Sky Deutschland. Ab der kommenden Saison darf der Sender 45 Spiele der Fußball-Bundesliga zeigen. Die Partien sollten beim hauseigenen Pay-TV-Ableger Eurosport 2 zu sehen sein, der über die Bezahlfernseh-Plattform von Sky empfangen werden kann.

Doch mit ihr konnte Eurosport sich nicht auf die Modalitäten einer TV-Übertragung einigen. Nun muss der Sender seine 45 Spiele in einem kostenpflichtigen Online-Livestream zeigen.

Verkauf von Sublizenzen wären willkommene Einnahmequelle

Das gestörte Verhältnis zur Pay-TV-Plattform könnte sich auch auf die Eurosport-Sendungen von den Winterspielen 2018 auswirken. Der Sender will einige Disziplinen – wie das Eishockeyturnier – gegen Gebühr über die Infrastruktur von Sky übertragen. Ob daraus etwas wird? Angesichts der momentan unsicheren Lage wären zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf von Sublizenzen an ARD und ZDF jedenfalls willkommen.

Doch die Zeit drängt: Normalerweise laufen bei den Öffentlich-Rechtlichen die Vorbereitungen auf Übertragungen von Olympischen Winterspielen im Sommer vor dem Sport-Event bereits auf Hochtouren.