Satire

Comedian Dieter Nuhr kann im Netz kaum echte Kritik finden

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Cornelia Wystrichowski
Starker Typ vom Niederrhein: Seit einigen Jahren moderiert Nuhr die ARD-Satireshow „Nuhr im Ersten“.

Starker Typ vom Niederrhein: Seit einigen Jahren moderiert Nuhr die ARD-Satireshow „Nuhr im Ersten“.

Foto: WDR/Jutta Hasshoff-Nuhr

Dieter Nuhr spricht über seine Nachwuchsshow, über zu unpolitische junge Comedians und ein Verhältnis zu Kritik in sozialen Medien.

Berlin.  Er ist einer der bekanntesten Kabarettisten Deutschlands, aber auch einer der umstrittensten: Dieter Nuhr eckt speziell mit seinen satirischen Äußerungen über den Islam regelmäßig an. Das Erste zeigt nun eine neue Staffel seiner Show „Nuhr ab 18 – Junge Comedy“, in der der gebürtige Weseler Nachwuchs-Comedians seine Bühne überlässt. Die sechs neuen Folgen mit einem Mix aus Stand-up-Programmen und Musik sind vom heutigen Donnerstag an um 22.45 Uhr im Ersten zu sehen, sie werden in einem Club in Berlin-Kreuzberg produziert.

Herr Nuhr, Ihre Sendung „Nuhr ab 18“ geht in eine neue Staffel, Sie bieten darin jungen Comedians ein Forum. Erinnern Sie sich noch gerne an Ihre ersten Gehversuche auf der Kabarettbühne?

Dieter Nuhr: Ja, sicher. Damals war unvorstellbar, dass es sich bei humoristischer Tätigkeit um einen Beruf handeln könnte. Plötzlich gaben mir die Leute Geld für meine Auftritte. Da war ich überrascht, wollte aber auch nicht widersprechen. Irgendwann konnte ich dann davon leben. Das war schön. Ich halte viel von fester Nahrung.

Wie ist es heute um den jungen deutschen Humor bestellt?

Nuhr: Da sind heute so viele unterwegs, da verbietet sich ein pauschales Urteil. Ich mag die Leute, die nicht nur auf die Bühne gehen in Erwartung von Ruhm oder Geld, sondern mit eigenem Ansatz, unabhängig. Also Leute, die was wollen, was über bloßes Berühmt-werden-Wollen hinausgeht. Da gibt es einige ganz schön Bekloppte, also gute Leute.

Wir leben in politisch aufgewühlten Zeiten. Spiegelt sich das in den Programmen der Nachwuchs-Comedians wider?

Nuhr: Selten. Und oft wird es dann klischeehaft kabarettistisch. Links gut, konservativ böse. Ökonomisch Schlaues ist auf der Bühne selten, meist gilt: Amerika ist schlecht und Putin ein reizender Schwiegervater. Ich mag ja Standpunkte, die sich der primitiven Kategorisierung und einfachen Pro­blemlösungen verweigern. Da ist noch Luft nach oben. Es gibt aber einige richtig Gute, was das angeht, die sehr eigenwillige Gedankengänge konstruieren. Maxi Gstettenbauer vielleicht oder Lisa Eckhart, viele.

Sie selber wurden für Ihre islamkritischen Äußerungen vielfach angefeindet. Trauen sich die jungen Leute so etwas wie Islam-Kritik auch – und würden Sie Ihnen überhaupt dazu raten?

Nuhr: Ich rate niemandem zu irgendwelchen bestimmten Themen. Jeder soll sprechen über das, was ihn bewegt. Ich kritisiere gerne, wenn Menschen irgendwelche geistigen Konstrukte zusammenklöppeln, um aus ihnen Herrschaftsstrategien abzuleiten. Da ist der Islam momentan ganz weit vorne. Das Christentum hat’s ja weitgehend hinter sich, genau wie der Kommunismus. Dafür gibt es wieder Trottel, die Völkisches absondern. Das ist natürlich auch mein Thema.

Wie gehen Sie generell mit der vehementen Kritik um, die Ihnen im Internet entgegenschlägt?

Nuhr: Das ist ein Missverständnis: Kritik ist selten im Internet, meist wird gepöbelt. Statt Argumenten wird man etikettiert. Da war ich in letzter Zeit mal „linker Hetzer“, mal „rechter Hetzer“, mal „langweilig und mittelmäßig“, mal Antichrist oder Islamhasser. Da kann man nichts machen. Es fällt aber auf, dass einem, wenn man Religion kritisiert, immer gleich Hass vorgeworfen wird. Da gibt es vor allem bei Muslimen oft wenig Kritikfähigkeit.

Sie selber werden dieses Jahr 57. Fällt es Ihnen immer leicht, auf der Höhe der Zeit zu bleiben?

Nuhr: Ich erledige viele Dinge im Alltag noch selbst. Auch befinde ich mich mehrfach im Jahr auf verschiedenen Kontinenten und schau mich um in der Welt. Da hab ich, glaub ich, noch ganz guten Überblick.

Sie studierten Lehramt. Steckt vielleicht in jedem Kabarettisten ein Pädagoge?

Nuhr: Ich glaube, es ist eher umgekehrt: Man glaubt, man wird Pädagoge, aber am Ende ist man oft Komiker.